Encore Paris Teil I 2022

Ich habe im letzten Jahr mit Paris aufgehört und fange auch gleich in diesem Artikel wieder mit Paris an. In der Zwischenzeit ist einiges passiert. Das Reisen ist einfacher geworden, was viel mehr Menschen als im vergangenen Jahr veranlasst, aufgeschobene Reisen nachzuholen. Corona ist natürlich immer noch ein Thema, das allerdings von den meisten Reisenden ignoriert wird. Die Maskenpflicht ist in vielen Reiseländern keine Pflicht mehr. In Frankreich gilt sie, wie in Deutschland, nur für den öffentlichen Transport, d.h. auch für Fernzüge. In Restaurants und Geschäften sind Masken nicht mehr verpflichtend.

Ursprünglich war geplant, nach Silvester einige Tage in Paris zu verbringen, aber wegen der damals noch geltenden Einschränkungen, haben wir die Reise auf Ende März bis Anfang April verschoben. Diesmal haben wir uns mit dem Thalys nach Paris fahren lassen. Dazu mussten wir zuerst nach Köln, weil die Strecke ab Düsseldorf gesperrt war. Es ist eine entspannte Anreisen, wenn man den Zug wählt. In dreieinviertel Stunden kann man am Gare du Nord aussteigen und hat keinen Stress mit dem Pariser Straßenverkehr. Dazu noch der Tipp: bitte die erste Klasse buchen! Sie ist nicht viel teurer als die zweite Klasse, aber sehr viel komfortabler. Eine Taxifahrt zum Hotel kann ich auch empfehlen. Taxifahrten sind in Paris relativ günstig. Natürlich geht auch die Metro, aber dann muss man sich darauf einstellen viele Treppen auf und ab den Koffer zu schleppen, denn Rolltreppen sind eher selten vorhanden.

Reisen mit dem Thalys

Die Neuerung dieser Reise war die Wahl des Hotels. Wir haben eines am Montparnasse gewählt und es sofort bereut. Das Hotel ist mit uns gealtert und in der Zwischenzeit, als ich es in den 1990er Jahren zuletzt gebucht hatte, nicht mehr aufgepeppt worden. Die Gegend ist natürlich super, mittendrin statt nur dabei, Metro gleich um die Ecke und total viele Restaurants, die „Rang und Namen“ haben. Vom Fenster aus kann man auf das ‚La Coupole‘ schauen, eine Pariser Institution mit langer Geschichte. Auch ist der ‚Jardin du Luxembourg‘ nur eine Straße weiter. Trotzdem würde ich das nächste Mal wieder das 20. Arrondissement wählen. Das ‚Mama Shelter‘ Hotel ist für Pariser Verhältnisse, vom Preis-Leistungsangebot her nicht zu toppen.

Es war ein lauer Märztag, als wir uns noch am gleichen Tag aufmachten, um unsere Freunde, mit denen wir auch im letzten Parisurlaub einige Zeit verbracht haben, erneut zu treffen. Unser erster Weg führte uns daher ins Marais Viertel. Wir waren lange nicht mehr dort und ich hatte fast vergessen, wie schön das Marais ist. Es war einst das erste jüdische Viertel von Paris und ist auch heute noch das jüdische Zentrum. In dem Gewirr der alten Gassen mit der Rue des Rosiers als Hauptstraße, tummeln sich neben Einheimischen auch viele Touristen, welche die Vielzahl von Geschäften und koscheren Restaurants bestaunen. Die Falafelläden dort sind legendär und man sieht immer sehr lange Schlangen davor mit Menschen, die geduldig warten, bis sie an der Reihe sind. Das Warten lohnt sich, denn was man dann bekommt, ist wirklich köstlich. Der Anbieter ‚L’As du Fallafel‘ ist schon eine Berühmtheit, obwohl ich jetzt gelesen habe, dass das danebenliegende ‚Chez Hannah‘ noch besser sein soll. Unsere Freunde haben wir im ‚Le loir dans le Théière‘ getroffen, einem Teesalon auf der Rue des Rosiers, mit köstlichen Torten und unzähligen Sorten Tee.

Da wir uns viel zu erzählen hatten und die Zeit dabei wie im Flug vergangen ist, mussten wir uns noch beeilen, um wenigstens einige Sehenswürdigkeiten des Marais‘ zu besuchen. Sehr bekannt, viel besucht und auf jeden Fall eine Besichtigung wert, ist die ‚Place des Vosges‘ (spricht sich mit einem ganz weichen sch in der Mitte). Ein Platz in vollkommener Harmonie mit den darum angeordneten einheitlichen Häusern. Wobei „Häuser“ die Untertreibung des Jahrhunderts ist. Es sind alte Stadtpaläste, in denen man nicht einfach wohnt, sondern residiert. Sehr schön sind die Arkaden dieser Häuser, die mit Kunstgalerien, Restaurants und feinen Geschäften gesäumt sind. Hier befindet sich auch die ‚Maison de Victor Hugo‘, die besichtigt werden kann (Häuser und Plätze sind im Französischen weiblich) und das bezaubernde Hotel ‚Le Pavillon de la Reine‘, leider weit außerhalb unserer Preis-Möglichkeiten. Der Place des Vosges ist sehr groß und man sollte einiges an Zeit einplanen, damit man man auch einen Blick in die Arkaden werfen und eine Weile auf den zahlreichen, alten Bänken dieses Platzes verweilen kann.

Place des Vosges
Arkaden

Da es schon recht weit fortgeschritten am Nachmittag war, haben wir nur noch das ‚Village Saint Paul‘ anschauen können. Dort waren wir nicht zum ersten Mal und erneut echt beeindruckt, was dort entstanden ist. Wie der Name schon verrät ist es ein Dorf in der Stadt mit kleinen Gassen, stillen Plätzen (auf jeden Fall um diese Zeit) und einem Gewirr von Höfen. Eigentlich sollte man nur geradeaus gehen. Aber wir haben uns total darin verloren und sind von einem Hof in den anderen geraten, völlig ohne System. Da es mehrere Zugänge zum Dorf gibt findet man auch den Weg wieder heraus, aber so übersichtlich, wie unsere Beschreibung versprach, war es keinesfalls. Die Geschäfte hatten schon geschlossen, auch das traumhafte ‚Musée de la Curiosité et de la Magie‘ ein Zaubereimuseum. Es ist beeindruckend, was aus den alten, zum Teil verfallenen Häusern geworden ist. In irgendeinem Hof, sie sind alle zur besseren Orientierung farblich unterschiedlich markiert, hängen große Schautafeln, die die Entstehungsgeschichte des Village zeigen. Am Anfang unseres Rundgangs haben wir auch die Kirche St-Paul-St-Louis besucht, deren rote Eingangstüre eine gewisse Sogwirkung auf uns hatte.

Kirche St-Paul-St-Louis

Im Village war es still, wir waren die einzigen Besucher um diese Zeit. Das soll aber nicht heißen, dass dies eines der letzten Oasen von Paris ist. Tagsüber ist es hier, wie überall im Marais, sehr touristisch und voll. Wem nicht unbedingt nach shoppen ist, sollte auf jeden Fall den frühen Abend für einen Besuch wählen, wenn die meisten Besucher schon beim Apéro sitzen und sich die Straßen leeren.

Entstehungsgeschichte auf Schautafeln
Im Village

Ist man schon einmal hier, kann man auch noch einen Abstecher in die Rue Beautreillis wagen. Dort im 3. Stock der Hausnummer 17 wurde Jim Morrison 1971 tot in einer Badewanne aufgefunden. Begraben wurde er auf dem Friedhof Père Lachaise, ein Friedhof, der eigentlich ein MUSS für jeden Parisbesucher ist…ich schweife ab…

Abends dann wieder essen, schließlich waren wir ja in Paris. Allerdings möchte ich den Restaurants später noch einen eigenen Artikel widmen.

Paris Teil V 2021

Nun war er da, unser unwiederbringlich letzter Urlaubstag. Traurig und glücklich zugleich haben wir beschlossen, ihn ruhig zu gestalten und den Urlaub gemächlich ausklingen zu lassen. Da erneut die Sonne schien und ein milder Spätsommertag zu erwarten war, sind wir zum Jardin du Luxembourg gefahren und haben den Tag dort verbracht. Ein Parisaufenthalt ohne diesen Garten zu besuchen, oder wenigstens einmal zu durchlaufen, ist für mich undenkbar. Einst haben wir mit meinen kleinen Kindern die Spielplätze dort besucht und sind mit dem nostalgischen Karussell gefahren. Nun schlendern wir durch den Park, bewundern die Statuen, den monumentalen Medicibrunnen, die Orangerie, die Blumenbeete und die alten Bäume. Irgendwann lassen wir uns auf einen der grünen Eisenstühle nieder, lesen, essen unsere mitgebrachten Macarons und haben das Gefühl ein Teil des Pariser „savoir- vivre“ zu sein. Diese Kunst, das Leben genießen zu können, die in Frankreich so allgegenwärtig ist.

Der Jardin ist bei Parisern, wie bei Touristen gleichermaßen beliebt. Es gibt zahlreiche Stühle und Bänke, die zum Verweilen einladen, trotzdem ist es manchmal schwierig, dort einen freien Platz zu ergattern. Die Stühle sind mittlerweile Designklassiker. Man kann sie unter dem Namen „Luxembourg“ kaufen und in den eigenen Garten stellen (nein, ich habe noch keinen). Es ist ruhig in diesem Garten, wenn man nicht gerade am großen Bassin sitzen möchte. Hier lassen Kinder gerne ihre Boote schwimmen, die man sich übrigens ausleihen kann. Geht man ein Stück weiter, rollen auf staubigen Plätzen die Boule Kugeln. Bis heute ist es mir schleierhaft, was Franzosen an diesem Spiel finden. Auch die große Zuschauerzahl ist mir ein Rätsel. Das einzige, was ich nachvollziehen kann, ist die Entschleunigung , die dieses Spiel bietet.

Vielleicht sollte ich zum Abschluss noch erwähnen, dass es keine schlechte Idee ist, Paris auch einmal im Winter zu besuchen. Die Touristenströme sind nach Silvester schon wieder weg und die Frühjahrstouristen noch nicht da. Im Winter zeigt die Stadt eine andere Seite. Unter einer Schneedecke, oder unter Eis scheint alles ruhig, melancholisch und irgendwie unwirklich. Man kann auch draußen sitzen, unter Heizstrahlern, oder vor der Orangerie im Jardin du Luxembourg in den Winterhimmel schauen….

…..Paris….ach, Paris!

Paris Teil IV 2021

„Stoffe kaufen in Paris, oder eines der letzten Abenteuer meiner Welt“

Das ist die Überschrift die ich nähme, wenn ich einen Blog über mein Hobby schreiben würde. Ich bin Freizeitschneiderin und mittlerweile schon ein wenig meschugge, wenn ich ans Nähen denke. Fast zwei Jahre lang übe ich die Schneiderei nun aus und es wird eigentlich immer schlimmer. Was als Lockdownbeschäftigung begann, ist nun ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Ich denke schon in Nähkategorien und kann mir mein Leben ohne Nähprojekte gar nicht mehr vorstellen.

Es war naheliegend, dass ich in Paris nach Stoffen schauen würde. Vorab hatte ich einiges an Nähblogs gelesen und mich kundig gemacht, wo man die besten Stoffe finden kann. Mental so ausgestattet, sind wir zum Montmartre gefahren. Am östlichen, unteren Teil von Sacré-Coeur liegt es, das Stoffparadies, oder der Nähhimmel auf Erden. Hier reiht sich Stoffgeschäft an Stoffgeschäft. Am Anfang dachte ich, mir erst einen Überblick verschaffen zu wollen. Diesen habe ich allerdings schnell verloren und musste aufpassen, selbst nicht unter Stroffballen verloren zu gehen. Es ist schier unglaublich, wie viele Stoffe hier angeboten werden. Das Angebot reicht von einfach bis sehr exklusiv und es gibt gar nichts, was es nicht gibt. Von kleinen Läden bis zu 5-etagigen Kaufhäusern kann man sich durch die Ballen wühlen, anfassen, vorhalten und schwelgen. Das habe ich auch getan, bis ich am Ende nicht mehr wusste, was ich eigentlich wollte. Mit Rücksicht auf meinen Rücken und auf den Mann, der geduldig mitgelaufen ist, haben wir dann erstmal eine Pause eingelegt und gegessen. Ihr wisst ja: 12 Uhr….

Essen eignet sich gut zum Sortieren von Gedanken. Nach dem obligatorischen Café sind wir dann erneut losgestapft und ich habe mir drei sogenannte Coupons gekauft, jeweils Dreimeterstücke, die recht günstig waren. Einen der gekauften Stoffe habe ich mittlerweile schon zu einem Kleid vernäht. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es Stoffe in allen Preisklassen gibt, von einfach bis sehr edel. Natürlich wird auch Nähzubehör angeboten. Ein Geschäft führt nur Knöpfe , ein anderes Bänder, ein drittes alles rund um die Schneiderei, wie Kopierpapier, Nadeln, Garne, Scheren, etc. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es war wirklich beeindruckend. Hinterher waren wir wie erschlagen, aber irgendwie doch zufrieden ob dieser Entdeckung.

Im Stoffballenglück
Am Fuß des Montmartre
Kleid, genäht aus dem Stoff eines Coupons

Paris Teil III 2021

Hat jetzt ein bisschen gedauert, bis ich dazu kam, den letzten Teil unserer Reise zu beschreiben. Aber bevor wir in der nächsten Woche wieder nach Paris fahren, wollte ich wenigstens unsere Reise vom Vorjahr zu einem guten, schriftlichen Abschluss bringen.

Wenn man einen schönen Eindruck über viele der Hauptsehenswürdigkeiten von Paris bekommen möchte, wäre eine Fahrt zur Place de la Concorde ( in französisch ist „der Platz“ weiblich ). zu empfehlen. Der größte Platz von Paris hat in seiner Mitte einen Obelisk mit goldener Spitze stehen. Bitte von dort aus nicht nur auf die Sehenswürdigkeiten, sondern auch auf den Boden schauen! Hier befindet sich die größte Sonnenuhr der Welt, für die der Obelisk ebenfalls verwendet wird. Seine Spitze dient als Zeiger und die bronzenen Linien auf dem Boden mit den römischen Zahlen, zeigen die Uhrzeit an.

Der Platz ist sehr verkehrsreich, darum die dringende Empfehlung, nur die Straßen an den Ampeln zu überqueren. Umgeben ist der Platz von den Champs-Elysées, den Tuileries Gärten, der Rue Royale und der Kirche La Madeleine. An allen Ecken des Platzes stellen acht Statuen jeweils eine französische Stadt dar. Es ist ein wahrhaft erhebendes Gefühl, auf diesem Platz zu stehen. Man kann in der Ferne den Arc de Triumphe sehen, auf der anderen Straßenseite fließt die Seine und die schönste Brücke von Paris, der Pont Alexandre III, liegt vor einem. Schaut man in die Ferne, sieht man die goldene Kuppel des Invalidendoms glänzen und die Hauptsehenswürdigkeit von Paris ist nur einen Steinwurf entfernt….der Eiffelturm! Jedem, der das erste Mal nach Paris fährt, würde ich diesen Platz empfehlen. Mehr Paris bekommt man auf einen Blick nirgendwo geboten. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Anblick denke.

Place de la Concorde
Arc de Triomphe, hier noch verpackt
Le Pont Alexandre III
La Tour Eiffel

Es ist schwer, von hier aus die Entscheidung zu treffen, in welche Richtung man weiter gehen soll. Da wir eine strahlenden Spätsommertag hatten, haben wir uns für den Weg entlang der Seine entschieden. Unterwegs haben wir noch eine Abstecher zur Nationalversammlung eingestreut und dort in einem schönen Restaurant zu Mittag gegessen. Geht man entlang der Seine weiter, sieht man nach einiger Zeit das imposante Gebäude des Musée d’Orsay. Es lohnt sich auf jeden Fall, dort einmal hineinzugehen. Das Museum befindet sich im alten Bahnhof von Orsay und ist den Künstlern des 19. Jahrhunderts gewidmet. Allein die Architektur lohnt den Eintritt. Kommt man in die Haupthalle, fällt besonders die große Bahnhofsuhr auf, die original erhalten ist und die Haupthalle ziert. Wie viele Pariser Museen, ist es riesig mit einer umfangreichen Sammlung. Wem das zuviel ist, kann auch nur das Café, das hinter der Uhr liegt, besuchen. Es gibt auch ein Restaurant mit einer atemberaubenden Einrichtung im historischen Ambiente. Das hat natürlich seinen Preis. Trotzdem würde ich es allein wegen der Atmosphäre empfehlen.

Das Palais Bourbon ist Sitz der Nationalversammlung

Paris Teil II 2021

Da ich regelmäßig und auch häufig nach Paris fahre, lasse ich das Zentrum rund um ‚Notre Dame‘ meist aus. Früher war es meine erste Anlaufstelle, als das alte Kaufhaus ‚La Samaritaine‘ noch existierte. Im 5. Stockwerk gab es eine Aussichtsplattform die einen Überblick über Paris bot. Die Plattform war kreisförmig gebaut und auf dem steinernen Geländer waren Jugendstilfliesen angebracht. Diese Kacheln zeigten die Sehenswürdigkeiten von Paris. Es war der schönste Ausblick, den man sich vorstellen kann. Mitten im Zentrum lag einem die Stadt zu Füßen. Leider wurde das Kaufhaus geschlossen, stand danach einige Jahre leer und wurde 2021 neu eröffnet. In dem Teil, die die Plattform beherbergte, ist jetzt ein Luxushotel eingezogen und noch weiß ich nicht, ob die Plattform noch existiert. Allen, die zum ersten Mal die Stadt besuchen würde ich empfehlen, trotz der Touristenströme die man auf jeden Fall dort vorfindet, die Île de la Cité zu besuchen, um eine ersten Eindruck von Paris zu bekommen.

Mein erster Spaziergang nach der Ankunft in Paris, führt mich jetzt immer zu den alten Einkaufspassagen der Stadt. Diese überdachten Straßen wurden Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut und eignen sich auch gut zum Bummeln bei Regen. Aus den düsteren Schläuchen sind im Laufe der Jahre Kleinode des Jugendstils entstanden. Es gibt für jede Passage einen, oder mehrere Eingänge. Trotzdem sind alle irgendwie miteinander verbunden, oder nur durch eine Straße getrennt. In Reiseführern sind die Passagen verzeichnet, trotzdem sucht man manchmal ratlos den Eingang. Steigt man bei der Metrostation ‚Louvre‘ aus, nimmt man den Ausgang ‚Palais Royal‘, überquert die Rue de Rivoli und geht zum alten Stadtpalast. Tritt man durch das Tor in den Innenhof mit Garten, ist man schlagartig in einer anderen Welt. Der ganze Lärm rund um den Louvre ist vergessen und man taucht ein in eine stille Welt, die man in Paris nur noch selten findet. Die alten Säulengänge beherbergen Geschäfte, Galerien und Restaurants. Irgendwie scheint alles aus der Zeit gefallen zu sein und man kann sich in Epochen denken, als das von Kardinal Richelieu erbaute Palais Könige, Minister und die alte Comédie -Française beherbergte. Im Innenhof befindet sich die Kunstinstallation ‚Les deux Plateaux‘ des Künstlers Daniel Buren. Der Garten ist wunderschön und ruhig, es sei denn, es ist Sonntag. Da genießen auch die Pariser gerne die frische Luft und die Stille im Garten. Schlendert ruhig mal die Säulengänge entlang und schaut in die Geschäfte, bevor ihr den Weg Richtung Passagen fortsetzt.

Geht man am Nobelrestaurant ‚Le Grand Véfour‘ vorbei, verlässt man den Garten und gelangt in die Passagen. Man kann sie nacheinander begehen, bis im Norden von Paris das Wachsfigurenkabinett ‚Musée Grévin‘ den Weg kreuzt. Die Passagen sind eine Augenweide. Alleine die Architektur ist wunderschön. Alle sind verschieden, auch in der Auswahl der Geschäfte und haben jede für sich einen eigenen Charakter. Manche sind still und etwas abgelegen, andere quellen über von Restaurantbesuchern, die es gerade in der Mittagszeit reichlich gibt. Restaurants sind in großer Zahl vorhanden. Von einfach bis nobel ist für jeden Geschmack etwas dabei. Sammlern geht das Herz auf, denn alte Stiche, Postkarten, Briefmarken, Bücher….es gibt so viel Schönes zu entdecken, dass ich immer das Gefühl habe, das meiste verpaßt zu haben. Die Geschäfte sind alt und ehrwürdig. Besonders am Abend lässt ein diffuses Licht die Phantasie übersprudeln. Man wähnt sich in einer Zeitschleife und wundert sich kaum, wenn Figuren aus dem 19. Jahrhundert vor dem inneren Auge auftauchen. Sollte ein Besuch der Passagen auf eurem Parisprogramm stehen, besorgt euch einen Reiseführer, der die Eingänge verzeichnet. Da die meisten mehrere Seitenzweige haben ist es sehr wahrscheinlich, dass man sich verläuft.

Wenn noch Kraft übrig ist, gönnt euch einen Besuch im ‚Musée Grévin‘. Dieses Wachsfigurenkabinett ist auf anschauliche Weise ein Ausflug in die französische Geschichte. Zum Abschluss bekommt man im ‚Palais des Mirage‘ noch ein Sahnehäubchen. In diesem Spiegelraum der Illusionen wähnt man sich durch die effektvolle Beleuchtung in einer ganzen Flucht von Sälen.

Es gibt zahlreiche Restaurants auf diesem, von mir beschriebenen Weg. Am Ausgang des ‚Musée Grévin` steht man auf dem Bd. Montmartre. Dort findet man zahlreiche Einkehrmöglichkeiten für eine Pause, oder man geht in eine der Passagen zurück und lässt bei einem guten Essen in einem der zahlreichen Restaurants den Weg nochmal Revue passieren.

Paris Teil I 2021

Das ist der vorletzte Abschnitt unserer Reise….Paris.

Wir waren müde und gestresst, als wir uns Paris näherten. Aus Erfahrung wissen wir aber, dass man Nerven braucht, wenn man mit dem Auto Frankreichs Hauptstadt befahren möchte. Die Nerven sind schon dünn, wenn man die Périphérique geschafft und die richtige Ausfahrt gefunden hat, den Rest erledigt dann der immerwährende Stau in der Stadt selbst. Paris‘ Straßen sind eng. Die Erbauer haben damals sicher nicht an den Autostrom gedacht, der sich Tag für Tag durch die Stadt quält. Es wird überholt, wo Platz ist, gehupt, gedrängelt und gestikuliert. Allerdings ist das Getue nur halb so wild. Die Autofahrer sind eher nicht so aggressiv und wirklich brenzlige Situationen habe ich noch nie erlebt. Trotzdem fahre ich lieber mit dem Zug nach Paris, da ich den Kick beim Autofahren nicht brauche. Aber wir kamen ja aus dem Urlaub, waren noch relativ entspannt und sind tatsächlich auch diesmal heil am Hotel angekommen.

Ich war schon unzählige Male in Paris. Ich liebe Paris! Seit ich im Alter von 18 Jahren zum ersten Mal der Liebe wegen Paris gesehen habe, bin ich der Stadt verfallen. Der Mann ist längst Geschichte, die Liebe zu Paris ist geblieben. Schon wenn mein Blick von Weitem auf das graue Häusermeer fällt kann ich es kaum erwarten, durch die Straßen zu schlendern. Auch diesmal war es da, dieses Hochgefühl und der Gedanke ‚ ich bin wieder hier, ich bin wieder in Paris‘.

In den letzten Jahren sind wir immer in dem gleichen Hotel im 20. Arrondissement gewesen, so auch diesmal. Das Hotel ist wirklich schön. Die Zimmer sind intelligent ausgestattet, das Restaurant im Erdgeschoss ist gut und die Preise für Pariser Verhältnissen erschwinglich. Man läuft ca. 10 Minuten zur nächsten Metrostation und auch Busse gibt es gleich um die Ecke. Der Osten hat in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung erlebt und gilt als ‚angesagt‘. Seitdem wir das letzte Mal in Paris waren, haben sich einige neue Restaurants angesiedelt und man merkt am Angebot, dass sich die Essgewohnheiten auch in Frankreich verändern. Es gibt jetzt vegane und vegetarische Restaurants ein paar Straßen vom Hotel entfernt.

Unser Hotel in Paris

Paris ist eine große Stadt und wenn man einfach ’nur so‘ losläuft, kann man sich müde laufen und hat vielleicht noch nicht einmal etwas Nettes gesehen. Das Drauflosbummeln würde ich nur Besuchern empfehlen, die das Meiste in Paris schon einmal besichtigt haben und sich ohne Ziel überraschen lassen möchten. Ansonsten sind ein Metroplan und/oder das Smartphone eine gute Hilfe, sich in der Stadt zurechtzufinden.

Paris ist in 20 Arrondissements aufgeteilt, die oval im Uhrzeigersinn, schneckenförmig von innen nach außen angelegt sind. Quer durch die Stadt fließt die Seine, die Paris noch einmal in die rechte (Rive Droite) und die linke Hälfte (Rive Gauche) unterteilt. Die Arrondissements sagen sehr viel über den sozialen Status ihrer Bewohner aus. Die „feinen Wohnquartiere“ findet man im Westen. Das 7., 8., oder gar das 16. Arrondissement sind sehr schick, sehr teuer und fest in der Hand des alten Adels, oder Geldadels. Im 16. gibt es Straßen, die abgesperrt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Wir haben uns da mal hingewagt und gehofft, einen Blick auf die Häuser werfen zu können. Leider war das aussichtslos und Emmanuel Macron ist auch nicht um die Ecke gekommen. Der Osten ist lebhafter, vibrierend und innovativ. Wenn es so etwas wie eine Subkultur gibt, findet man sie eher hier in der Nähe vom La Flèche d’Or (20.), oder Bataclan und Rue Oberkampf (11.). In den Pariser Postleitzahlen steht immer das Arrondissement dabei, dass man sich gut orientieren kann.

La Flèche d’Or

Es ist aussichtslos zu hoffen, dass sich eine Stadt wie Paris während eines Kurzbesuchs dem Reisenden erschließt. Man kann sich einige der Hauptattraktionen anschauen und einen kleinen Eindruck gewinnen. Paris ist für mich nach wie vor eine Stadt zum Wiederkommen.

Was man sich in Paris anschauen möchte, ist individuell. Kunstliebhaber, Musikfreunde, Architekturkenner, Feinschmecker…sie alle kommen in Paris auf ihre Kosten. Eines aber ist für jeden allgegenwärtig, die lange, wechselvolle Geschichte dieser Stadt, die jeder Stein, jedes Gebäude, jeder Platz und jeder Baum ausatmet. Dem kann man sich nicht entziehen und denjenigen, der diesen Atem bewusst inhaliert, wird er nicht mehr loslassen.

!! Tipp 3

„Wie Gott in Frankreich“

Essen und Frankreich sind eins. Stimmt das, oder wird lediglich ein Klischee bedient? Es stimmt, obwohl Frankreich nicht das einzige Land auf der Welt ist, wo man gut isst und diesem Vorgang viel Aufmerksamkeit schenkt. Essen, Mahlzeitenfolge, Menüauswahl, Lebensmitteleinkauf, Restaurants und Qualität der Produkte nehmen einen großen Raum im Leben der Franzosen ein. Ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, mit welcher Hingabe und Ausdauer dort über das Essen und dessen Zutaten diskutiert wird. Daraus resultieren oft stundenlange Gespräche. Wo kauft man am besten dies oder das ein? Welches ist das beste Rezept für…? Welches Restaurant hat das beste….?

Für uns Deutsche ist es verwunderlich, dass die Nahrungsaufnahme so eine große Bedeutung hat, weil wir das nicht annähernd teilen. In Deutschland gibt es viele ebenfalls gute bis sehr gute Restaurants, aber haben wir deshalb eine ausgeprägte Essenskultur? Ich wage zu behaupten, dass dem nicht so ist, denn die Bedeutung, die in Frankreich dem Essen beigemessen wird, hat bei uns nicht diese Tradition.

In Frankreich gliedert sich ein Tag in Essenszeiten. Diese sind traditionell mittags zwischen 12 Uhr und 14:30 Uhr und abends ab 19 Uhr. Daran wird sich gehalten und die Restaurants und Cafés sind darauf eingestellt. Das Frühstück lasse ich weg, das spielt keine große Rolle. Ab zwölf Uhr füllen sich die Lokale und manchmal ist es mittags schwer, noch einen freien Tisch zu ergattern. Abends ist es klug, einen Tisch vorher zu reservieren. Das gilt übrigens für jeden Tag in der Woche. Es macht Sinn, sich diese Zeiten einzuprägen, denn außerhalb dieser Zeitspanne gibt es (fast) nix. Natürlich kann man sich in Geschäften etwas kaufen, aber im Restaurant wird danach nichts mehr serviert. Wer nachmittags Hunger bekommt hat Glück, wenn in Cafés ein Sandwich (oft pappig) oder (besser) ein Croque, oder eine Quiche (gut) zu bestellen ist. Nach dem Mittagessen beginnt schon langsam wieder die Zeit für den Apéritif, oder Apéro. Nach dem Essen ist vor dem Essen. Möchte man dagegen während der Essenszeiten lediglich etwas trinken, kommt nur die Bar in Frage, weil die Tische schon eingedeckt sind und damit die Zeichen wieder auf Essen stehen.

Wir so beim Apéro

Un Café ist ein Espresso, schwarz, stark und mit Zucker. Der geht zu jeder Tageszeit. Kuchen, wie wir es von Deutschland kennen gibt es auch, aber in der Regel ist das ein Dessert. In den Touristengebieten stellt man sich auf die Gäste ein und ich habe sogar schon mal einen Cheesecake und Cappucino am Nachmittag bekommen. Ach übrigens, ein Café in unserem Sinn ist in Frankreich ein Salon de Thé. Der ist durchaus mit deutschen Cafes zu vergleichen und bietet Leckereien in großer Auswahl. Will man Kuchen, Törtchen, Petit fours oder Macarons einkaufen, geht man in eine Pâtisserie, diese entspricht unserer Konditorei. In einer Boulangerie kauft man Brot, Croissants und oft auch Teilchen. Ist tatsächlich manchmal verwirrend.

Auslage einer Pâtisserie

In einem Land, das so viel Wert auf gutes Essen legt, gibt es selbstverständlich auch viele Restaurants. Das ist tatsächlich flächendeckend. Wir sind noch nie in einem auch noch so kleinen Dorf gewesen, wo nicht mindestens ein Restaurant war.

Vorspeise ( L’Entrée), Hauptgericht (Plat principal), Dessert, ist die klassische Reihenfolge für ein Essen in Frankreich. Diese wird meist auch eingehalten, zumindest am Abend. Wem das zu mächtig ist, kann ein ‚Formule‘ wählen, das die meisten Lokale mittlerweile anbieten. Aus einer Auswahl von Vor, Haupt und Nachspeisen kann man sich entscheiden: entweder Entrèe und Plat, oder Plat und Dessert. Wer noch Kaffee und/oder Digestif zu sich nimmt, rundet damit das klassische Menü ab. Ach ja, den Käse bitte nicht vergessen! Irgendwo zwischen Plat und Dessert findet der auch noch den Weg in den Magen.

L’entrée
Plat principal
Dessert

Mittags gibt es auch Kleinigkeit zu essen, z.B. einen Salat. Abends ist das schwieriger und in Frankreich nicht üblich. Ein Salat ist keine Beilage, sondern eine Vorspeise. Allerdings ruft es keine Verwunderung hervor, wenn man sich die Vorspeise teilen möchte.

Als Getränk wird üblicherweise Wein bestellt, auch mittags. Wasser (L’eau de robinet) kommt aus dem Kran und wird kostenlos dazu serviert, manchmal muss man danach fragen. Man kann auch nur Wasser trinken, das ist in Ordnung. Was nicht in Ordnung ist, sind Softdrinks. Das geht wirklich nur, wenn Kinder dabei sind. Cola und Co sind in Restaurants echt teuer und nicht üblich. Bier, oder wie in der Bretagne der Cidre, stehen normalerweise auf jeder Getränkekarte. Bier wird gerne auch als Apéro gewählt.

Es ist eine gute Erfindung, dass die Speisekarten vor jedem Restaurant aushängen und auch durchaus üblich, diese vorher zu studieren. Man bekommt schon einen Eindruck, was einen drinnen erwartet und kann vorher entscheiden. Oft hängt auch eine Tafel mit einer besonderen Empfehlung im Restaurant, oder wird an den Tisch gebracht.

Hat man das Restaurant betreten, muss man warten, bis einem ein Platz angeboten wird. Das dauert nie lange, weil der Dienstleistungsbereich vorbildlich ist. Die Kellner sind freundlich und fix und der Gast wirklich König. KellnerInnen ruft man mit ‚Monsieur‘, oder ‚Madame‘, wenn es eine Kellnerin ist. Sie bringen es auch fertig, in einem überfüllten Raum an einem Tisch mit sechs Gästen, die Gerichte gleichzeitig zu servieren.

Da steht, oder sitzt man nun vor der Speisekarte und fragt sich ratlos, was das wohl alles ist, was dort aufgelistet steht. Es hilf nichts, es muss ein Übersetzer ran, damit man wenigsten ungefähr weiß, was nach der Bestellung auf dem Teller liegt. Wer französisch sprechen kann, sollte unbedingt fragen. Es ist normal, eine Beratung zum Menü und auch zum dazu passenden Wein zu bekommen. In Frankreich wird das fast erwartet. Ich würde jedem empfehlen, sich ein gewisses „Restaurantfranzösisch“ anzueignen, sonst könnte es sein, dass man nur das bestellt, was man kennt und das wäre schade, weil einem dann die meisten Köstlichkeiten entgehen. Leider sind, auch in touristischen Gebieten, die Speisekarten nie in englischer Version zu haben. Beim Essen sind die Franzosen eigen.

Ich habe mir vor vielen Jahren einen „Essdolmetscher Frankreich“ angeschafft. Das war eine überaus lohnende Investition. Über die Geschichte, dass ich vor vielen Jahren mal vor einer Kuttelwurst saß und sie nicht essen konnte, lachen meine Kinder sich heute noch kaputt. Gerichte haben häufig sehr phantasievolle Namen, aber mein Buch kennt sie alle.

Brot wird gratis dazu gereicht. In Frankreich gibt es kein Essen ohne Baguette. Bezüglich des Preises ist das Menü immer günstiger als Einzelbausteine à la Carte. Trotzdem kommt am Ende meist ein hübsches Sümmchen zusammen. Service und Steuern sind inklusive, trotzdem lässt man ein kleines Trinkgeld auf dem Teller, oder worauf die Rechnung sonst gebracht wird. Das meistbenutze Zahlungsmittel ist die Kreditkarte, oder EC Karte., auch für kleinere Beträge, auch auf Märkten…eigentlich überall. Solltet ihr mit einer Gruppe ein Restaurant aufsuchen, zahlt einer und man dividiert hinterher alles auseinander. Die Rechnung beim Bezahlen auseinander zu nehmen ist nicht üblich.

Brot gehört in Frankreich zum Essen

Die französische Küche ist immer noch sehr fleischlastig. Fisch steht auf jeder Speisekart und ist in der Regel ganz frisch. Vegetarische, oder gar vegane Gerichte sind eher die Ausnahme. In den Städten hat man da mehr Erfolg, als in der Provinz.

Innereien stehen häufig auf Speisekarten, da sollte man genau hinschauen, was man bestellt (siehe Kuttelwurst). Auch die Entenstopfleber ist nicht auszurotten. Schweinsfüße, Kalbsköpfe, Zunge, Ochsenmaul ….alles noch zu haben, besonders in der Bistroküche. Froschschenkel habe ich nicht mehr gesehen, seit ich zum ersten Mal mit 18 Jahren in Paris war und sie auch gegessen habe…man verzeihe mir meine jugendliche Unwissenheit. Leider gibt es in Paris die Zwiebelsuppe nur noch in wenigen Restaurants zu genieße, seit die Hallen von Paris nach Rungis umgezogen sind.

Wenn man eine Ferienwohnung angemietet hat und selbst kocht, ist Frankreich das Schlaraffenland schlechthin. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Die Märkte sind eine Augenweide mit einer unglaublichen Vielfalt. Verkäufer sind es gewohnt, dass die Kunden wählerisch sind. Sie zeigen einem jeden Apfel einzeln und man nickt dazu. Keiner haut einem auf die Finger wenn man selbst etwas anfasst, üblich ist es nicht.

Supermärkte sind riesig und bieten ebenfalls frische Produkte an. Auch hier gilt: der Kunde ist König. An den Kassen wartet man geduldig. Alte Menschen werden nicht genötigt, sich zu beeilen und dürfen auch in Ruhe ihr Kleingeld abzählen. Es dauert halt, so lange es dauert. Ist man selbst an der Reihe, wird man sehr freundlich begrüßt und verabschiedet. Wie oft habe ich mir das schon für Deutschland gewünscht, wenn ich Läden betrete, in denen die Kunden offensichtlich stören.

Bei diesem Überangebot an Lebensmitteln frage ich mich immer wieder, warum die Franzosen schlanker sind, als die Deutschen? Mag sein, dass sie nicht so viel nebenher essen und die Gewichtung mehr auf die Hauptmahlzeiten legen? In Paris habe ich oft beobachtet, dass die Frauen zwar ein Menü mit mehreren Gängen bestellen, aber häufig nur ein wenig davon essen. Na ja, dieses Problem hatte ich eher nicht.

Ich liebe die französische Küche

Jede französische Region hat ihre kulinarischen Besonderheiten. In der Bretagne sind die Crêpes berühmt und wirklich gut. Wobei mit Crêpe dort die süße Variante gemeint ist. Die pikante Version ist das Galette, oder Blé noir und wird aus Buchweizenmehl hergestellt. Beides schmeckt köstlich. Crêperien, die heißen so wie bei uns, bieten auch Crêpe Menüs an. Da kann man drei Gänge Crêpes essen und ist hinterher pappsatt. Wem das zu viel ist, bestellt ein Blé noir und einen Crêpe als Dessert. Dazu einen Cidre brut, der in hübschen Keramiktassen serviert wird. Cidre gibt es in der Bretagne in großer Auswahl. Welchen man wählt ist natürlich Geschmacksache. Ob doux (süß) oder brut (herb) , der Unterschied ist wie beim Wein. Wer zweifelt kann sich beraten lassen, oder fragt nach dem regionalen Produkt…da liegt man immer richtig.

Blé noir complet mit Cidre

Welche Tipps könnte ich sonst noch geben?

Vielleicht, dass Wein zum Essen, oder Apéro gehört. Nach dem Essen noch ein Fläschchen zu bestellen, weil es so gemütlich ist, wird nicht gemacht. Nach dem Café ist das Essen beendet und somit auch der Wein.

Lasst euch nie von Papiertischdecken, oder rustikalem Geschirr abschrecken. Auch eine kitschige Einrichtung ist keine Grund, ein Lokal zu meiden. Das sagt nichts über die Qualität des Essens aus.

Vorsicht, wenn aufdringliche Schilder zu sehen sind mit „man spricht deutsch“, oder „english spoken“. Hier handelt es sich in der Regel um Touristenfallen mit schlechter Qualität.

Kleine, überfüllte Restaurants, manchmal mit Warteschlangen vor der Tür, wo einem die französische Sprache entgegen schallt sind es meist wert, sich einzureihen.

Bekannte Tempel der Esskultur haben ihren Preis. Nach oben hin gibt es da wenig Schamgefühl. Selbst wenn man sich das nicht leisten möchte, oder kann sind sie es wert, dort mal einen Blick hinein zu riskieren, weil in der Regel ein wunderschönes Dekor mitgeliefert wird. Sollte euch jetzt vielleicht das Wasser im Mund zusammen gelaufen sein wünsche ich euch:

Bon appétit!

Le Grand Véfour in Paris

Zur Zeit als wir Frankreich bereist haben war zwar noch Sommer, aber die Pandemie natürlich allgegenwärtig. Am Eingang, wo man ohnehin immer warten muss, wurde der Impfpass eingescannt. Ohne Pass, kein Restaurantbesuch. Das galt auch für die gesamte Außengastronomie. Wohlgemerkt das war zu einer Zeit, als in Deutschland noch Zettel ausgefüllt wurden.

Zwischenzeitlich hat sich die Lage durch die vierte Welle wieder verschärft. Aber das ist eine andere Geschichte…..

Frankreichurlaub Bretagne September 2021

„Teil 5 /Sehenswürdigkeiten“

Camaret-sur-Mer ist ein charmanter Küstenort. Einst war er der bedeutendste Langustenhafen Frankreichs. An der weiten Hafenbucht wippen heute Sportsegler im Wasser. Bemerkenswert ist der Schiffsfriedhof, der mich total gefesselt hat. Ich malte mir aus, was diese Schiffe erlebt und gesehen haben, bevor sie in den Ruhestand versetzt wurden. In unserem Plastikzeitalter fällt es schwer sich vorzustellen, dass all diese Schiffe aus Holz gebaut wurden. Sie verrotten in einem eigens dafür reservierten Hafenabschnitt, sind bereits halb verfallen und….wunderschön. Trotz ihres desolaten Zustands wirken sie majestätisch und irgendwie erhaben. Mir gefällt der Gedanke, dass sie in Würde vergehen dürfen und trotzdem die Macht haben, unsere Phantasie zu beflügeln. Es ist mir schwer gefallen, mich von dem Anblick dieser Schönheiten zu lösen.

Schiffsfriedhof in Camaret-sur-Mer

Mehr durch Zufall sind wir am Ortsausgang auf die Alignements de Lagatjar gestoßen. Diese Steinreihen aus Riesenbrocken sind eines der großen Mythen eines ohnehin schon sehr mystischen Landes. Hinkelsteine, wie Obelix sie nennt, gibt es in der Bretagne an mehreren Orten. Die bekanntesten sind die Menhire von Carnac im Süden der Bretagne. Man weiß nicht wirklich etwas über sie, weder die Bedeutung noch warum sie aufgestellt wurden. Wahrscheinlich ist der Umstand, dass so wenig über sie bekannt ist der Grund, dass sie so einen enormen Reiz auf unsere Vorstellungskraft ausüben. Sie sind alt, das ist erforscht. Ich habe Schwierigkeiten, mir vorzustellen, dass ihr Alter auf 4000 bis 6000 Jahre geschätzt wird. Warum sie dort stehen ist nicht bekannt. Das ist der Stoff, aus dem Mythen entstehen. Von versteinerte Soldaten, bis zu Grabstellen mit beigelegten Schätzen ist alles dabei. Es ist bestimmt diesen Mythen zu verdanken, dass sie bis heute unangetastet sind. Die Legende besagt, dass derjenige, der nach den Schätzen gräbt, sterben wird.

Die Steinreihen von Lagatjar sind im Gegensatz zu denen von Carnac, frei zugänglich und viel weniger. Von den ehemals 400 Steinen sind heute noch 72 übrig. Ich hoffe, dass die Besucher weiterhin sorgfältig darauf bedacht sein werden, sie zu schützen. In der Vergangenheit sind viele Steine durch unvorsichtige Besucher umgefallen und mussten mühsam wieder aufgerichtet werden. Lassen wir sie unberührt ihr Geheimnis bewahren.

Alignements de Lagatjar

Ein umfriedeter Pfarrbezirk ( Enclos Paroissial ) ist ein in sich geschlossenes Ensemble und stellt eine Besonderheit dar, die es nur in der Bretagne gibt. Er besteht aus einer Kirche, einem Triumphtor, einem Friedhof mit Beinhaus und einem Kalvarienberg. Es gehört praktisch zum Pflichtprogramm eines Bretagneurlaubs, wenigstens einen davon zu besuchen. Neben sehr großen und bekannten Pfarrbezirken gibt es auch kleine und versteckte, die nicht weniger schön sind. Die Bilder zeigen den Enclos Paroissial Sainte-Marie-du-Mènez-Hom. Dieses Ensemble lag an einer Durchfahrtstraße, die nicht so stark befahren war. Fast wären wir dran vorbei gefahren und hätten dieses Kleinod verpasst. Hat man das Eingangstor erst einmal passiert, tut sich eine andere Welt auf. Uns erwartete eine friedliche Stimmung, was man gewiss nicht von allen behaupten kann. Die bekannten Pfarrbezirke von Guimiliau, Pleyben und Saint-Thégonnec sind von Touristen überlaufen. Alle diese Enclos paroissials sind sehr gepflegte Anlagen mit der Erhabenheit einer jahrhundertealten Geschichte.

Bretonen gehören, wie die meisten Franzosen, dem katholischen Glauben an und gelten als fromm. Das hat sie allerdings noch nie gehindert, sich ebenfalls mit den Dämonen und Geistern der keltischen Sagenwelt zu identifizieren. Die Dämonen sind wohl kleinwüchsig, daher ist die Schwelle des Triumphbogens besonders hoch und hält sie ab. Innerhalb der Mauern ist die Welt katholisch und darf nicht von Untoten bedrängt werden. Alles existiert in der Bretagne friedlich nebeneinander und füttert unsere Phantasie.

Umfriedeter Pfarrbezirk/ Saint-Marie-du-Ménez-Hom

Kalvarienberge ( Calvaire ) stehen nicht nur in den Umfriedungen. Sie sind oft auch vor einer Kirche zu finden, oder stehen für sich alleine. Diese Calvaires erzählen Geschichten. In einer Zeit, als das „einfache Volk“ weder lesen noch schreiben konnte, zeigten sie den Menschen die Passion Christi und sind auch heute noch Orte der Andacht und Wallfahrt. Mittelpunkt ist das Kreuz, um das die aus Granit gemeißelten Figuren angeordnet sind. Man ließt sie wie einen Comic ( kleine Anmerkung: Franzosen lieben Comics ). Allerdings ist ein Calvaire kein Berg,. Die Figuren stehen nur auf einem Sockel und sind einfach gestaltet, da der harte Granit schwer zu bearbeiten ist.

Der oben gezeigte Calvaire steht bei der Kirche Notre-Dame-de-Tronoën und ist der älteste Kalvarienberg der Bretagne. Einige Figuren sind stark verwittert, andere noch gut zu erkennen. Alles in allem sind sie total beeindruckend. Auch diesen Ort haben wir ungerne verlassen, weil er einen Zauber ausübt, dem man sich schwer entziehen kann.

Kirchen gibt es reichlich in der Bretagne. Oft findet man großartige Gotteshäuser in eher einfachen und kleinen Ortschaften, oder auch direkt am Meer. Es lohnt sich immer, sie auch von innen anzuschauen, sei es wegen der Ausgestaltung, oder für eine kleines Dankesgebet für einen schönen Urlaub.

Au revoir Bretagne!

Irgendwann muss man sich von jedem Urlaub verabschieden. Manchmal fällte es schwerer als üblich. Bei uns war es der Abschied von der Bretagne. Sei es wegen der Pandemie, die uns lange Zeit vom Reisen abgehalten hat, sei es wegen dieser Region, die uns beeindruckt und verzaubert hat. Es sind tausend Eindrücke und viele Momente, die wir als Andenken einpacken durften. Trotzdem bleibt das Gefühl, jede Menge verpasst zu haben. Auch diesmal sagten wir uns, wie fast nach jedem Urlaub, den Satz: “ ist fürs Wiederkommen!“

Wir haben zwar die Bretagne verlassen, aber nicht Frankreich, denn es stand noch Paris auf dem Programm. Mit Erinnerungen und Erwartung haben wir uns auf die Reise in die französische Hauptstadt gemacht, die wir gefühlt eine Ewigkeit nicht besucht haben…..

Frankreichurlaub Bretagne September 2021

„Teil 4/ Douarnenez“

Vom Mont St.-Michel nach Douarnenez
Flagge der Bretagne

Wenn ich wie jetzt an grauen Novembertagen vor meinem PC sitze und über die Bretagne schreibe frage ich mich, was es genau ist, das mich an dieser Region so fasziniert? Vor meinem geistigen Auge läuft dann ein Film ab von Meer, Wellen, Küste, Weite, bizarren Strandabschnitten mit feinem Sand und großen Felsen, Asterix, Hinkelsteinen, Seeluft, Ebbe und Flut, Cidre, Crêpes, Fischfang, Sardinen, Häfen, Artus, Morgane, Kalvarienberge und und und……es ist alles, aber insbesondere ist es das Licht. Dieses unvergleichliche Licht der Bretagne, das mir sofort vor Augen kommt, wenn ich an diese eigenwillige Region Frankreichs denke, die sich so gar nicht in eine Schublade stecken lässt. Die Luft flimmert durch den hohen Salzgehalt des Meeres das verdunstet und die Luft mit Tröpfchen füllt, in denen sich das Licht bricht. Dadurch entsteht ein schimmerndes, flirrendes Licht, das intensiv die Farben wahrnehmen lässt und eine eindringliche Intensität hat. Das Meer und der Himmel scheinen blauer, die Pflanzen bunter, der Wald grüner und der Himmel violetter zu sein als anderswo. Grautöne in allen Nuancen zeigt der Granit der Häuser, davor rosa, blaue, violette Hortensienbüsche. Tiefblaue Fensterläden und Gartenzäune erfrischen das Auge. Licht und Schatten, hell und dunkel, grau und farbig, unwirklich.

Bretonisches Haus
Intensive Blautöne

Ich sage es gleich vorweg, die Bretagne ist nicht für jeden geeignet. Es ist ein raues, manchmal schroffes Land. Strandleben, wo man seinen gestählten Body zur Schau stellen kann, existiert kaum. Das Meer ist, na sagen wir mal….erfrischend kühl (auch im Sommer selten wärmer als 18°C). Der Menschenschlag ist eher spröde, keineswegs redselig und das Wetter mehr als wechselhaft.

Die Schönheit der Bretagne erschließt sich nur, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und nicht versucht, sie mit anderen französischen Regionen zu vergleichen. Es kann sein, dass sich das Grau der Bretagne über mehrere Tage zeigt und damit schon so manchen Urlauber weiter in den Süden getrieben hat. Trotz der gelegentlich widrigen Umstände ist die Bretagne eine überaus beliebte Ferienregion. Im Sommer sind die Strände gefüllter, die Restaurants voller und die Städte überschwemmt mit Touristen. Im September ist es leerer und manche Orte sogar recht verlassen.

Als wir müde, verschwitzt und hungrig endlich unser Ziel, Douarnenez, erreicht hatten, war unsere Stimmung auf dem Tiefpunkt. Die Sonne war längst untergegangen und der Ort zeigte uns seine graue, wenig freundliche Seite. Schon die Anfahrt durch Douarnenez machte klar, dass dieser Flecken nicht das ist, was wir uns vorgestellt hatten. Die von uns gemietete Ferienwohnung, irgendwas mit ‚Design‘ im Namen, war in der vierten Etage ohne Lift und ausgestattet mit durchgelegenen Matratzen. Na toll! Die von oben aus grandiose Aussicht haben wir gar nicht wahrgenommen, weil unser Blick entsetzt auf die, gleich neben dem wirklich schönen Hafenabschnitt liegende, Sardinenfabrik fiel. Flüchten, oder standhalten? Wir sind geblieben, was sich im Nachhinein als weise Entscheidung entpuppte. Der Blick auf Hafen und Meer war von oben spektakulär und die Arbeit am Hafen und rund um die Sardinenfabrik, zeigte uns die authentische Seite der Bretagne, die wir sonst nie gesehen hätten.

Die Aussicht von unserer Wohnung im Morgengrauen…..
….und am Abend
Granithäuser in Douarnenez
Alte Unterkunft für Sardinenfischer

Nachdem wir die Wohnung etwas umdekoriert hatten, sah die ganze Angelegenheit am nächsten Morgen schon viel freundlicher aus. Gleich unter uns am Hafen waren mehrere Fischrestaurants mit feinem Essen, was wir im Laufe der Zeit ausgiebig getestet haben. Die historische Markthalle bot regionale Produkte und frischen Fisch und der Bäcker, gleich um die Ecke, war so bekannt, dass sich jeden Tag davor lange Schlangen bildeten. Von unserem kleinen Balkon aus, konnte man das geschäftige Hafentreiben gut beobachten. Die Sardinenfabrik war zwar immer noch da, das möchte ich nicht schön reden. Aber irgendwie gehörte sie dazu. Beim ersten Tuckern der Fischerboote morgens früh, habe ich mich aus dem Bett gerollt und den Sonnenaufgang beobachtet. Dieser Anblick wird mich hoffentlich durch den langen Winter tragen.

Alte Markthalle
Jeden Tag fangfrischen Fisch
Regionale Produkte
Ohne Baguette kein Essen in Frankreich
Ausfahrt der Fischerboote in der Morgendämmerung

An der Meerseite der Bretagne richtet sich das Leben nach den Gezeiten. Überall hängen Gezeitenkalender, die man sich tunlichst abfotografieren sollte. Das ist vor allem für Strandläufer wichtig, denn kommt die Flut, muss man sich beeilen, um schnell wieder Festland unter den Füßen zu bekommen. Das Meer zeigt bei Ebbe seinen Grund. Da sind große und kleine Steine, Algen, Muscheln, Meerschnecken und alles was so am Meeresgrund existiert und die Ebbe überlebt. Vieles davon kann man essen, daher sieht man bei Ebbe reichlich Leute, die mit Netzen und Eimern ausgestattet „Meeresfrüchte“ für die nächste Mahlzeit einsammeln. Die Flut kommt rasch. Das unterschätzen viele Urlauber und wagen sich oft zu weit hinaus, was nicht ungefährlich ist, weil der Atlantik recht ruppig ist. Man findet hier auch riesige Austernbänke. Austern aus diesem Abschnitt Frankreichs gehören zu den besten der Welt. Es gibt wahrscheinlich nichts, was den Geschmack des Meeres besser einfängt als Austern und bevor ihr igitt sagt, bitte erst probieren!

Strandläufer

Wir waren jeden Tag unterwegs und haben die Gegend erkundet. Ein Kaleidoskop wunderschöner, wilder Küstenabschnitte zieht gerade an meinem geistigen Augen vorbei. Eigentlich ist alles empfehlenswert, was auf Landkarten und Reiseführern mit einem Sternchen markiert ist. Manchmal sind die Wellen ungezügelter, manchmal trifft man auf einen Leuchtturm, manchmal gibt es steilere Küstenabschnitte, manchmal ist der Weg einfacher zu laufen. Glücklicherweise steht rund um die Küstenlinie fast alles unter Naturschutz, was viele Wanderer zu schätzen wissen, denn obwohl man zu den meisten Aussichtspunkten mit dem Auto fahren muss, ist wandern in der Bretagne eine wunderbare Art, seinen Urlaub zu verbringen, was auch von vielen genutzt wird.

Entlang der bretonischen Küste führt ein alter Zöllnerpfad ( Sentier des douaniers, GR 34 ) Er erstreckt sich vom Mont St-Michel bis Saint-Nazaire im Süden und gilt als der schönste Wanderweg Frankreichs. Er ist über 2000 km lang und windet sich rings um die bretonische Küste. Viele Wanderer nutzen ihren Urlaub, um Teilstücke dieses Weges zu laufen. Spektakuläre Aussichten belohnen die Anstrengungen. Steile Klippen, versteckt liegende Höhlen, Buchten, Strände, Pflanzen, immer währender Wind, peitschende Gischt und seltene Vogelarten bekommt man gratis dazu.

Schroffe Felsen
Einsame Strände
Naturschutzgebiet

Wenn ich geschrieben habe, dass das Wetter sehr wechselhaft ist heißt das auch, dass es sich schnell zum Guten hin ändert. Kenner versichern, dass das Wetter bis zu zwölfmal am Tag umschlagen kann. Selten regnet es sich richtig ein, davor bewahrt schon der häufig, auch kräftig, wehende Wind. Die Sommer sind angenehm, nie zu heiß und die Winter mild.

Wir hatten in diesem September sehr schönes Wetter. Es war mild, manchmal richtig warm und relativ windstill. Allerdings wurden wir auf den Klippen auch von kräftigem Wind durchgeschüttelt, gegen den wir anreden und anlaufen mussten. Nicht zu unterschätzen ist die intensive Strahlung der Sonne. Eine Sonnenschutzcreme gehört auf jeden Fall zur Standardausstattung.

Da ich hier keinen Reiseführer, sondern meine persönlichen Eindrücke niederschreibe, erspare ich mir die Empfehlung von Sehenswürdigkeiten. Es gibt sehr viel zu sehen in dieser Region. Selbst wenn man wie wir den ganzen Tag unterwegs ist wird man es kaum schaffen, alles zu besuchen was geboten wird…. und, es soll ja auch noch erholsam bleiben.

Impressionen

!! Tipp 2

„Parlez-vouz francaiçs?“

Franzosen sprechen Französisch! Ich meine, fast alle sprechen NUR ihre Muttersprache. Das ist an sich kein Problem, kann es aber werden, wenn man plant, in Frankreich Urlaub zu machen. Es ist ein Vorurteil wenn behauptet wird, dass man mit Englisch in Frankreich nicht weiter kommt. In den Touristenhochburgen kann sich jeder auch mit Englisch durchschlagen, aber abseits des Massentourismus‘ gelingt das kaum.

Wenn als Urlaubsziel Frankreich anvisiert wird, löst das bei uns Deutschen meist Unsicherheit aus, wenn es um die Sprache geht. Nicht ganz unberechtigt, denn von der Hoffnung, dass die deutsche Sprache in Frankreich ein Thema ist, kann man sich gleich verabschieden. Nun ist es nicht so, dass man den Urlaub auf übernächstes Jahr verschieben muss, weil man erst bei der VHS ein paar Kurse Französisch lernen sollte. Eine andere Sprache zu lernen geht nicht im Vorbeigehen und Französisch ist alles andere als eine leichte Sprache. Es gibt aber mittlerweile gute VHS Kurse „Französisch für die Reise“. Reicht zum Überleben!

Klappt das mit den Kursen nicht wäre meine Empfehlung, sich ein paar Alltagsvokabeln aufzuschreiben, dass man sich im Urlaub nicht so ganz hilflos fühlt und womöglich noch verurteilt, dass man die Sprache in der Schule abgewählt hat.

In den ersten Jahren meiner Frankreichtrips hat mir das „Überlebensvokabular“ sehr geholfen, zumal auf irgendetwas zu zeigen natürlich auch eine Option ist.

Sollte man erwägen Land und Leute näher kennenzulernen, sind Sprachkurse angebracht. Ich bin diesen Weg gegangen und habe dadurch ganz viel über das Land und seine Bewohner, und natürlich auch über die Sprache, gelernt. Für mich war das Ziel, an einem Tisch mit Franzosen zu sitzen und beim Gespräch zu verstehen, worum es geht. Dieses Ziel habe ich heute noch, denn zwischen „französisch sprechen“ und „französisch verstehen“ liegen auch wieder Welten.

Ich mag die französische Sprache sehr. Sie hat eine feine Melodie und hört sich weich an. Das liegt an den vielen Lauten, die vorne im Mund und Nasenraum gebildet werden. Bei der deutschen Sprache passiert das im hinteren Mundbereich und im Rachen, daher wird in anderen Ländern das Deutsche als ‚hart‘ wahrgenommen.

Leider werden Franzosen von uns Urlaubern oft als arrogant wahrgenommen. Wenn man davon ausgeht, dass Arroganz häufig Unsicherheit ist versteht man besser, warum sie gerne im eigenen Land Urlaub machen. Klar merken auch Franzosen, dass man mit Englisch mehr Möglichkeiten hat. Der Wunsch es zu lernen, ist trotz dieses Wissens nicht sehr ausgeprägt.

Spricht man mit Franzosen in ihrer Sprache, ist die Wahrnehmung eine völlig andere. Sie reden dann drauf los, sind hilfsbereit, lustig, charmant und aufgeschlossen. Ich erinnere mich an lange, gesellige Abende bei denen wir nie das Gefühl hatten, unwillkommen zu sein. Ganz im Gegenteil, sie vergessen dann total, dass Französisch für uns eine Fremdsprache ist. Auch erlebt man bei einem Glas Wein das Phänomen…je undeutlicher gesprochen wird, desto besser versteht man alles. Obwohl wir längst nicht immer alles verstanden haben, klappte die Kommunikation einwandfrei….man muss nur viel nicken und häufig lächeln.