!! Tipp 7

„Wo übernachten?“

„Wildes Campen“ ist in Frankreich generell verboten. Das gilt insbesondere in der Nähe von Stränden und in Naturschutzgebieten. Besonders bei Letzterem sind die Franzosen sehr streng. Die Strafen sind richtig hoch, daher lässt man es am besten. Es gibt aber die Möglichkeit auf Gemeindeparkplätzen und an Raststätten für max. 7 Tage zu übernachten. Auch an Straßenrändern darf man stehen. Dabei muss man aber auf die Parkzonen achten. Tische, Stühle oder Zelte aufzustellen ist tabu, allerdings gibt es an vielen ausgewiesenen Parkplätzen auch Entsorgungsmöglichkeiten und oft auch Wasser und Strom. Die Regeln für das Campen sind regional verschieden. Ich gehe davon aus, dass Camper sich vorher informieren und darüber Bescheid wissen.

Also, man darf die Camper NICHT aufstellen:

auf Privatgrundstücken ( es sei denn, man hat eine Erlaubnis)/ auf öffentlichen Straßen/ am Meer/ in Naturschutzgebieten/ Abstand, weniger als 500m zu Sehenswürdigkeiten und Denkmälern.

Die Tipps bezüglich Camping habe ich recherchiert, da wir in Frankreich noch nie gecampt haben. Hier also keine Gewähr auf Vollständigkeit!

Wie ich vorher schon einmal geschrieben habe, sollte man auf keinen Fall davon ausgehen, während der Hauptsaison einen Stellplatz auf „gut Glück“ zu finden. Vorherige Reservierung ist dringend zu empfehlen.

Auf vielen französischen Campingplätzen werden auch feststehende Unterkünfte angeboten. Die Angebote reichen von einfachen Cabins bis zu komfortablen Holzhäusern. Die Ausstattung und die Lage bestimmen den Preis. Diese Möglichkeit wird von Urlaubern gerne genutzt, verbindet es die Erfahrung von Camping doch mit einem größeren Raum.

Campingplätze in Urlaubsgebieten sind vielfach in Meer-oder Seenähe und schön gelegen. Da nicht jeder einen Stellplatz mit direktem Meerzugang erhalten kann, muss man natürlich auch mit Plätzen in hinteren Reihen vorlieb nehmen. Da wir einmal ein Ferienhaus, nur durch eine kleine Straße getrennt, gegenüber eines Campingplatzes hatten, bekam ich auch das „Sozialleben“ hautnah mit. Es war lebendig, daher auch wirklich gesellig. Bekanntschaften werden rasch geschlossen und es gab eine Reihe von Veranstaltungsabenden an Gemeinschaftstreffpunkten. Das alles ist natürlich Geschmacksache, aber kommunikativ ist es auf jeden Fall.

Wir haben in der Bretagne bis jetzt immer Ferienhäuser gemietet. Für diese gibt es eine Reihe von Anbietern, von privat bis professionell. Unsere Erfahrungen ziehen sich durch alle Arten von Häusern. Waren diese in früheren Jahren eher einfach und praktisch ausgestattet, hat sich das Angebot in der Jetztzeit deutlich verbessert. Teilweise haben wir sogar luxuriös gewohnt. Leider aber auch schon wirklich übel, wenn Häuser von Anbietern „schön fotografiert“ wurden.

Abgehalten hat es uns nie, auch im Folgejahr wieder die einschlägigen Portale zu durchforsten und auf eine gute Unterkunft zu hoffen.

Im Süden der Bretagne gab es für uns schon mehrere Unterkunftsversionen. In früheren Jahren oft Übernachtung mit Frühstück (Chambers d’hôtes) oder auch mal ein Hotel. Jetzt fast ausschließlich Ferienhäuser. Für uns ist das die ideale Möglichkeit den Urlaub zu verbringen, weil man dort auch kochen kann.

Frankreich ist ein sehr beliebtes Ferienland und es macht meiner Erfahrung nach immer Sinn, bei Unterkünften jeglicher Art, die Preise zu vergleichen und aufmerksam zu prüfen, ob „versteckte“ Kosten noch zusätzlich anfallen.

In den großen Städten buchen wir generell ein Hotel, da wir in der Vergangenheit einiges an negativer Erfahrung mit der Anmietung von Privatwohnungen hatten. In Paris wohnen wir etwas Abseits der touristischen Bezirke in einem Hotel, dass wir schon seit sehr vielen Jahren kennen und das uns noch nie enttäuscht hat.

Hotelpreise in Paris können sehr heftig sein und das auch bei einem Segment, das nicht annähernd als luxuriös zu bezeichnen ist. Hier ist die Hauptsaison das, was man gemeinhin als Nebensaison bezeichnen würde. Frühling und Herbst sind weltweit die beliebtesten Jahreszeiten für eine Reise in die französische Hauptstadt. Wie immer macht es Sinn, die Preise zu studieren, da es durchaus Angebote von Reiseveranstaltern gibt die günstiger sind, als Privatbuchungen.

In den französischen Sommerferien wird Paris eher nicht so überschwemmt vonTouristen. Dass ALLES dort geschlossen ist wird als häufiges Argument benutzt, den Sommer zu meiden. Es stimmt, es ist vieles geschlossen, aber in so einer großen Stadt ist auch noch ausreichend geöffnet und die Preise niedriger als normal. Es ist schon lange her, dass wir im Hochsommer in Paris waren. Meine Erinnerung daran ist durchweg positiv. Es war sehr heiß in dem besagten Sommer, das wussten wir vorher, daher der ideale Zeitraum, sich die Pariser Museen auch einmal von innen anzuschauen. Durch die klimatisierten Räume und oft auch angeschlossenen Gärten, habe ich das in allerbester Erinnerung.

Noch ein Wort zu den Angeboten des beliebten Portals für Vermietungen in Privathaushalten. Vielleicht liegt es an uns und unseren Vorstellungen von Unterkünften, aber leider haben wir noch keine einzige Unterkunft gefunden, die uns so wirklich zugesagt hätte, besonders in Paris. Daher haben wir diese Art zu wohnen im Laufe der Jahre aufgegeben.

!!Tipp 6

„Reisezeit“

Ein paar Sätze zu unseren Erfahrungen bezüglich der Reisezeit.

Wir bemühen uns immer, außerhalb der französischen Sommerferien unsere Frankreichurlaube zu verbringen. Diese sind acht Wochen im Juli und August. Nach dem ersten Wochenende im September ist Rentrée. Franzosen kehren dann in die Schulen und an ihre Arbeitsplätze zurück. Schlagartig wird Urlaub machen in Frankreich entspannender.

Die Hauptsaison hat den Nachteil, dass es an allen Orten sehr voll ist. Franzosen verbringen ihren Urlaub gerne im eigenen Land. Dazu gesellen sich noch Touristen aus aller Welt, was die Preise stark ansteigen läßt. Im Jahr 2024 sind wir erstmalig in der Hauptsaison in die Bretagne gefahren, etwas, das wir in Zukunft vermeiden werden. Wenn es wegen der Familiensituation nicht möglich ist außerhalb der Saison den Urlaub zu verbringen ist es zwingend notwendig, vorher zu buchen bzw. zu reservieren.

Das gilt für Ferienwohnungen und Häuser genau so wie für Hotels und Campingplätze!!

Selbstverständlich kann sich nicht jeder die Reisezeit aussuchen. Wenn man auf die Schulferien angewiesen ist stellt sich die Reisezeitfrage nicht. Kann man es einrichten in den Herbstferien zu verreisen, sind die Preise schon merklich günstiger als im Hochsommer.

Überall auf der Welt sind die Preise während der Hauptsaison höher, als in der Nebensaison. Frankreich ist keine Ausnahme und hebt die Preise dementsprechend an, teilweise auf das Doppelte.

Vorher zu reservieren ist in der Saison, auch wegen der Auswahlmöglichkeiten, unabdingbar. Beliebte Ferienregionen sind schneller ausgebucht als die etwas abseits gelegeneren Landstriche. Auch ist die Côte d’Azur überlaufener als das Landesinnere. Trotzdem ist es empfehlenswert, selbst hier die Unterkünfte im voraus zu buchen.

Die schönen Küsten Frankreichs sind bei Campern sehr beliebt. Nach dem Motto „Verlasse dein Haus nicht, nimm es mit“, bewegt sich eine Caravan-Karawane in den Sommermonaten Richtung Meer und zu den reizvollen Wäldern des grünen Hinterlandes. Die Campingplätze sind dann voll bis überfüllt. Auf ,gut Glück‘ einen Stellplatz zu bekommen ist unwahrscheinlich.

An- und Abreisetag in der Hauptsaison ist der Samstag. Das sollte mitbedacht werden, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Die Autobahnen sind voller, wenngleich wir noch nie in einen Stau geraten sind. Überfüllt sind samstags gerne die Rastplätze. Tatsächlich ist es uns in der Hauptsaison, passiert, dass wir keinen Parkplatz gefunden haben und weiter suchen mussten.

Unsere bevorzugte Region in der Bretagne ist auch in der Hauptreisezeit nicht ganz so voll. Durch die eher dünne Besiedlung verteilen sich die Urlauber besser als in den bekannten Orten, nur an den Strände und touristischen Highlights kann es voller sein.

Das Wetter in der Bretagne ist launisch. Manchmal regnet es recht heftig und es kann im Hochsommer kühl sein. Auch pfeift der Wind oft und gerne und macht Sonnenhungrigen das Leben schwer. Für Sonnensucher ist der Süden Frankreichs die bessere Wahl.

Südfrankreich ist im Sommer eine sichere Wetterbank. Warme Tage reichen oft bis in den November hinein und selbst im Winter ist das Klima überwiegend klar und mild.

Es sei denn, man erlebt einen Mistral. Trocken, kalt und stark sind die Attribute, die dem Mistral anhaften. Dieser überaus heftige Fallwind kommt in Südfrankreich nicht selten vor und lähmt das öffentliche Leben. An der östlichen Côte d’Azur wird er kaum wahrgenommen, weil die Seealpen den Wind aufhalten. Die Provence und die Côte d‘ Azur sind ihm leider ausgesetzt. Es kann sein, dass dieser gefürchtete Geselle eine ganze Woche wütet und mit extrem starken Böen daherkommt. Heutzutage wird ziemlich genau vorhergesagt, wann ein Mistral zu erwarten ist. Diesen heftigen Wind sollte man ernst nehmen, denn während er wütet kann man Outdooraktivitäten vergessen. Es gibt unendlich viele Mistral Stories, nicht nur dass er den Urlaub beeinträchtigt, auch, dass er auf das Gemüt schlägt und die Leute mürrisch und quengelig macht.

Wettermäßig hatten wir in der Bretagne schon alles, nur noch keinen Schnee. Á propos Schnee, es gibt eine große Anzahl von Urlaubern, die ihre Winterferien in der Bretagne verbringen, viele über Weihnachten und den Jahreswechsel. Ist tatsächlich dann eine Art Hauptsaison. Ich stelle mir das sehr schön vor. Man kann am Strand spazieren gehen und auf das Meer schauen, die fahle Wintersonne genießen und warm eingepackt auf der Terrasse ein heißes Getränk schlürfen.

Vielleicht sollte ich das einmal ausprobieren.

Frankreichurlaub Provence September 2022

„Teil 3/ Luberon“

„Ein gutes Jahr“ ist ein Film von 2006, entstanden nach einem Roman von Peter Mayle und einer meiner Lieblingsfilme. Merkwürdigerweise wird er vom Mann als „Schmonzette“ bezeichnet. Liegt wahrscheinlich da dran, weil es eine Schmonzette ist…aber eine schöne, vielleicht die schönste, die ich kenne. Sie ist definitiv der Grund, warum wir im gleichen Jahr das erste Mal in die Provence gefahren sind und uns in das Land verliebt haben. Einer der Filmschauplätze ist das Dorf ‚Gordes‘ und das drei Kilometer entfernte Weingut ‚La Canorgue‘

Das Weingut La Canorgue

Da mein Geburtstag in unseren Urlaub fiel und ich damit einen Wunsch frei hatte, musste ich nicht lange nachdenken, einen Ausflug in den ‚Luberon‘ zu wählen. Das ist die Gegend, die ich als Bilderbuchprovence bezeichne. Im Schatten dieser Hügelkette wird alles geboten, was man sich so unter Provence vorstellt: wunderschöne alte Dörfer, Lavendelfelder, Weinberge, sanfte Hügel, malerische Olivenhaine und und und. Die Orte Oppède, Menerbes, Bonnieux. Lourmarin, Cucuron usw. sind Sehnsuchtsorte und schon der Gedanke daran lässt mich im Geiste die Koffer packen und losfahren.

Schon 2006 war die Provence kein Geheimtipp mehr. Touristen aus aller Welt werden Jahr für Jahr von der Schönheit dieser Gegend angezogen und verlassen sie wieder mit Ölkanistern, Tischdecken, Keramiken, Lavendelprodukten, Wein und der Versicherung, im nächsten Jahr ganz bestimmt wiederzukommen. Wir sind da keine Ausnahme. Es fällt leicht, sich dem besonderen Reiz der Provence hinzugeben. Tatsächlich haben wir schon einmal laut darüber nachgedacht, dass dies ein Land ist, welches man sich als Wohnsitz gut vorstellen kann. Aber das ist natürlich eine Illusion. Sollte jemand mit dem Gedanke spielen sich dort niederlassen zu wollen, braucht es schon mehr, als ein normales Einkommen.

Gordes ist ein Ort, der einem schon bei der Anfahrt fast die Sprache verschlägt. Die Häuser sind am Hang gebaut und schauen weit über eine grüne, üppige Ebene. Es wurde extra ein Aussichtspunkt eingerichtet, weil die staunenden Touristen mit ihren Autos sonst die Straße blockieren. Ich finde den Blick von außen auf Gordes schöner, als den Ort selbst. Nicht falsch verstehen, auch innerhalb seiner Mauern ist Gordes ein Traum, aber die Touristenscharen, die sich täglich durch die Straßen schieben, sind schon gewaltig. Entsprechend werden die Preisen angepasst. Wie bei fast allen touristischen Attraktionen, wird es leichter, wenn man das Zentrum verlässt und abseits der Straßen auf Entdeckungstour geht. Vorher bitte nicht versäumen, sich ein Lavendeleis auf der Hauptstraße zu kaufen. Das ist einfach köstlich.

Gordes
Lavendeleis

Viele Szenen aus dem oben erwähnten Film wurden in Gordes gedreht. Sollte sich jemand dafür interessieren: das zentrale Café von Marion Cotillard als Fanny Chenal, liegt gleich neben der Kirche am Ortseingang und existiert tatsächlich, einschließlich Brunnen.

Das Restaurant

Die zentrale Handlung des Film spielt sich jedoch auf ‚La Canorgue‘ ab, das in dem Film anders heißt. Wegen des unglaublichen Tourihypes, den der Film ausgelöst hat, ist das alte Wohnhaus nicht mehr zu besichtigen, auch nicht die Zufahrt dahin. In einem Gebäude neueren Datums mit Verkaufsraum, kann man den Wein der Domain verkosten und erwerben. Besuchen darf man auch den Garten mit Bäumen, Blumen, Teich und einigen Weinstöcken.

Garten mit Weinberg

Der Wein ‚Coin Perdu‘ (CP) spielt im Film eine große Rolle. Ist er doch der Tropfen, mit dem Russell Crowe seine Angebetete beeindrucken konnte. ‚Coin Perdu‘ wird immer noch produziert. Ein edler, roter Biowein, der großartig schmeckt. In jedem Jahr, in dem wir ‚La Canorgue‘ besuchen, nehmen wir eine Flasche mit nach Hause um sie am darauffolgenden Weihnachtsfest zu leeren und an den vergangenen Sommer zu denken.

Le Coin Perdu

Wahrscheinlich muss man wirklich den Film angeschaut haben um ermessen zu können, wie die Atmosphäre dort ist. Im Film heißt es, dass es ein Zauberort ist und noch Jahre später wirkt dieser Zauber auf die Besucher. Das alte Gebäude liegt etwas erhöht und man kann von unten darauf schauen. Es wurde nicht aufgehübscht und schlummert friedlich in der provenzalischen Sonne. Heute wird es nicht mehr bewohnt und die Fensterläden sind teilweise geschlossen. Wenn man es noch nicht gemerkt hat…ich finde das Haus wunderschön, so wie es ist. Wäre es renoviert würde bestimmt die besondere Ausstrahlung verloren gehen.

Das alte Wohnhaus

Ein weiterer Filmschauplatz ist das Dorf ‚Cucuron‘. Ein etwas verschlafenes Nest mit einem großen ummauerten Teich im Zentrum. Lange nicht so touristisch wie Gordes, liegt es etwas abseits der Besucherströme. Rund um den Teich gibt es einige Cafés und Restaurants. Für mich ist es der Platz an den ich sofort denke, wenn ich die Provence vor mir sehe. Wir haben schon unzählige Stunden da verbracht, träge im Schatten der Platanen in einem Café sitzend bei einem Glas Wein unter der milden Sonne der Provence.

L’étang de Cucuron

PS. Ist natürlich keine Werbung, weder für ein Produkt, noch für den Film!

Frankreichurlaub Provence September 2022

„Teil 2/ Camargue“

Circa eine Autostunde von Maussane entfernt liegt die Camargue (Parc Naturel Régional de Camargue) ein großes Naturschutzgebiet. So alt wie ich dachte, ist es noch nicht. Erst 1970 wurde es zur Naturschutzzone erklärt. Viele Gebiete der Camargue sind nicht zugänglich, zum Schutz der dort angesiedelten Tiere. Dem Autofahrer sind Grenzen gesetzt, obwohl die meisten Touristen mit dem Auto anreisen. Es wird empfohlen, mit dem Rad, dem Schiff oder zu Fuß die Gegend zu erkunden. Aber die Camargue ist groß und die Frage, wo man am besten anhält, um dann zu Fuß weiter zu gehen, sollte man sich vorher überlegen.

Die Orte ‚Aigues-Mortes und ‚Les Stes-Maries‘ sind schön, auch der Küstenort ‚Saintes- Marie-de-la-Mer‘ ist reizvoll, brauchen aber einiges an Zeit, sie zu besichtigen Wir haben auf einen Besuch verzichtet (ist für’s Wiederkommen) und haben uns entschieden, am ‚Etang de Vaccarés ‚unseren Ausflug zu starten. Man kann mit dem Auto nur ein kleines Stück direkt See am entlang fahren. ‚La Capalière‘ war unsere erste Station. Das dortige Informationszentrum hat einen interessanten Museumsbereich, der eine Einführung über die reiche Natur der Camargue bietet. Im Außenbereich des Museums befindet sich ein Lehrpfad mit einigen Beobachtungspunkten, von denen aus man einiges an Vögeln und Wassertieren beobachten kann. Am Ende des Besuchs haben wir noch als Souvenir das hier überall angebotene Meersalz (Fleur de Sel) gekauft. Immer wenn wir in Frankreich sind, kaufen wir dieses besondere Salz. Unsere Vorräte würden nun auch für die nächste Pandemie reichen.

Auf unserem weiteren Weg haben wir entschieden, einfach dort anzuhalten, wo es schön ist. Es war ein sonniger, windstiller Tag und eine Luft wie Samt und Seide. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass wir durch das Einatmen der salzhaltigen Luft, eine Gratiskur für die oberen Luftwege mitgeliefert bekommen.

Da erst einmal das Auto geparkt werden wollte, haben wir es an einem Weg abgestellt, wo schon zwei andere Autos standen und sind einfach in Richtung Wasser marschiert. Eine kleine Straße führte uns geradewegs zu Seen und Sumpfgebieten, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe. Alles war still und friedlich. Nur der Gesang der Vögle und von mir nicht zuzuordnenden Tieren war zu hören. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn noch eines dieser weißen Camarguepferde vorbei galoppiert wäre. War aber leider keines in Sicht. Dafür haben wir Flamingos gesehen. Ich habe mich die ganze Zeit über nicht mehr eingekriegt und konnte mich vor lauter Ahs und Ohs den Rest des Tages nicht mehr beruhigen. Nun sind Flamingos in der Camargue sicher keine Überraschung, trotzdem gelten sie als extrem scheu und es ist nicht selbstverständlich, dass wir relativ nah heran kommen konnten. Ein Fernrohr wäre nützlich gewesen, aber das hatten wir nicht. Ich habe die Flamingos bestimmt eine Mio Male fotografiert… alles die gleichen Bilder, aber sicher ist sicher und zuhause kann man immer noch löschen.

Es fiel uns schwer, von diesem wunderbaren Weg Abschied zu nehmen. Wir sind sehr lange dort gewandert in dem Bewusstsein, dass wir ein magisches Stück Natur erleben durften und dafür eigentlich alles andere verpasst haben (wie ich schon schrieb…ist für’s Wiederkommen)

Auf dem weiteren Weg sind noch zwei Salzsalinen vor uns aufgetaucht, die mit ihren riesigen Salzbecken und imposanten Salzbergen einen Stopp wert waren. An der ‚Salin-de-Giraud‘ gibt es einen Salzberg, den man besteigen kann und der eine Aussicht auf die Meerwassersalinen bietet. Es ist eine riesige Welt in weiß und beeindruckend anzuschauen.

Da es hier schon nach Meer roch, war ein Abstecher naheliegend. Auf einem schmalen Damm führte uns der Weg ans Mittelmeer. Das Schöne an der Nachsaison ist, dass die Strände, wo sich im Sommer die Touristen stapeln, fast menschenleer sind. Auf Schwimmen waren wir nicht eingestellt, aber die Stille und das sanfte Rauschen der Wellen kann man bei einem Spaziergang am Strand wunderbar genießen.

Flamingos
Salines-de-Giraud
Sumpfgebiet
Etang de Vaccarès
Am Mittelmeer

Frankreichurlaub Provence September 2022

„Teil 1/ Maussane-les-Alpilles“

Wir haben Frankreich schon oft bereist, auch die Provence. Die schönen Orte des großen und kleinen Luberon waren viele Jahre unser bevorzugtes Urlaubsziel, vor allem im Frühjahr. Im September 2022 sind wir erneut in die Provence gefahren, aber dieses Mal nicht in die „Bilderbuch-Provence“ des Luberon, sondern nach ‚Maussane-les-Alpilles‘ im Vallèe des Baux. Wie der Name schon sagt, liegt die Gemeinde zwischen den Alpilles, den Crau Ebenen und der Camargue (Departement Bouches-du-Rhône ). Das Wetter in dieser Region ist auch im September noch südlich-warm, manchmal sogar sommerlich heiß. Maussane ist ein schönes Dorf das alles liefert, was man sich unter südlichem Leben vorstellt. Die Zufahrt führt durch Platanenalleen und sehr viel Wald. Im Dorf selbst ist der Marktplatz bei der Kirche der zentrale Ort. Rund um den Marktplatz gruppieren sich Restaurants, mit vorwiegend Außengastronomie unter alten Bäumen, ein historischer Brunnen, mehrere Stadthäuser und die schöne Kirche Èglise Sainte-Croix.

Marktplatz
Marktplatz

Zusammen mit dem Nachbarort ‚Mouriès‘, ist Maussane mit der bedeutendste Olivenölproduzent Frankreichs. Das Dorf ist umring von Olivenhainen und besitzt noch zwei Ölmühlen, die allerfeinstes Öl pressen und auch in den mühleneigenen Geschäften verkaufen. Obwohl wir durch den schon geplanten Rückflug nicht viele Souvenirs mitnehmen konnten, haben wir uns mit einem Kanister Olivenöl für zuhause versorgt. Es schmeckt wirklich köstlich.

Olivenhain

Für die Anfahrt haben wir uns diesmal einen Flug nach ‚Marseille‘ gebucht und sind von dort mit einem Leihwagen weiter gefahren. Das war völlig problemlos. Bei der von uns gewählte Unterkunft handelt es sich um ein Privathaus mit mehreren Gästezimmern. Das Haus und die Zimmer sind schick und modern eingerichtet. Gefrühstückt wurde zusammen mit den anderen Gästen im Garten. Leider steht das Haus an einer viel befahrenen Straße. Nachts war das kein Problem, weil kaum Verkehr war. Tagsüber war es lauter, aber der Garten liegt an der Hinterseite des Hauses und ist still und friedlich. Es ist ein durch und durch provenzalischer Garten mit Bäumen, Blumen, Kräutern und stilvoller Deko.

Garten mit Swimmingpool
Frühstücksbuffet
Garten

Maussane ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung, die eine Menge zu bieten hat. Das Gebirge der Alpilles bietet gute Wandermöglichkeiten, auch Fahrradfahrern begegnet man unzähligen. Die Landschaft ist felsig und teilweise schroff, aber von den Bergen aus genießt man einen unvergleichlich schönen Ausblick auf die Ebenen der Provence.

Gleich um die Ecke von Maussane liegt „Les Baux-de-Provence“, ein Dorf, das mit zu den schönsten von ganz Frankreich zählt. Auf einem Hochplateau ragen die Überreste des Château des Baux mit seiner imposanten Befestigungsmauer. Es lohnt sich, den Aufstieg zu wagen, denn die Weitsicht ist imposant. Beeindruckend ist auch der Blick von unten auf den Ort, der sich wie ein Felsennest aus Stein auf dem Berg erhebt.

Les Baux-de–Provence

Am Fuß von Les Baux befindet sich ein Parkplatz mit heftigen Preisen. In Sachen Parkgebühren sind die Franzosen nicht zimperlich. Zum Bezahlen am besten die App: ,Presto Park‘ herunter laden. Kann man später sicher noch einmal gebrauchen. Wie überall an touristischen Orten gilt, bitte nichts im Auto lassen und die Fenster schließen!

Ein weiterer besuchenswerter Ort in der Nähe ist „Saint-Rémy-de-Provence“, ebenfalls sehr touristisch. Tatsächlich hatten wir hier Schwierigkeiten, einen Parkplatz zu finden. Wir mussten mehrmals die Ringstraße umkreisen, bis wir endlich unser Auto stationieren konnten.

Saint- Rémy ist zauberhaft. Ein magischer Ort voller Licht und Leichtigkeit. Angeblich scheint die Sonne hier an 300 Tagen im Jahr. Das hat Künstler wie ‚Vincent van Gogh‘ angezogen, die sich von dem Strahlen der Sonne inspirieren ließen.

Man flaniert im Schatten wunderschöner „Herrenhäuser“. vorbei an kleinen Geschäften mit provenzalischen Angeboten, Restaurants, Kirchen, Klöstern und kleinen Plätzen mit Brunnen und Bänken, die zum Verweilen einladen. In der Saison gibt es zwei Mal wöchentlich einen Markt. Mittwochs mit schönen Dingen aus der Provence und am Samstag vorwiegend mit Lebensmitteln.

Wo es schön ist, ist man nicht alleine. Wem es in Saint- Rémy zu trubelig ist, findet in der Umgebung eine Menge an Sehenswürdigkeiten, die lohnen besichtigt zu werden. Die römischen Überreste von ‚Glanum“, wie Saint-Rémy ursprünglich hieß, sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Der Dichter ‚Frédéric Mistral‘ baute sich 1876 ein Haus in dem Dorf ‚Maillane‘, das heute ein vielbeachtetes Museum ist und sich der Erhaltung der provenzalischen Literatur widmet.

Saint-Rémy-de-Provence

!! Tipp 5

„Einkaufen in Frankreich Teil 2“

Französische Märkte sind eine Welt für sich. Sie gehören zum Sozialleben der Franzosen und sind Treffpunkt für Jung und Alt. Irgendwo in den verschiedenen Regionen ist immer Markttag, meist vormittags zwischen 8 Uhr und 13 Uhr. Danach wird abgebaut und gegessen. Die Mahlzeiten werden eingehalten.

Man trifft sich auf Märkten, d.h. , trifft man sich während des Einkaufs, bleibt man stehen und plaudert, auch Mitten auf dem Markt. Alle anderen gehen dann ohne großes Gewese um die kleine, oder oft auch größere, Gruppe herum. Eile, wie wir sie in Deutschland kennen, wo sich die ersten schon beschweren, weil sie zwei Schritte mehr laufen müssen, habe ich noch nicht erlebt. Das gilt übrigens auch, wenn sich Personen auf den Bürgersteigen treffen. Alle laufen friedlich drum herum.

Die Auslagen der Stände sind eine Augenweide. In den kleineren Orten wird das angeboten, was die Landwirte der Umgebung produzieren und/oder ernten, in der Regel saisonale Produkte. Die Qualität ist immer 1A. Meist sind die Stände mit Blumen dekoriert, oder die angebotenen Waren sind appetitlich angerichtet, weil, das Auge isst ja mit. Franzosen sind beim Einkaufen recht anspruchsvoll und suchen sich gerne das für sie beste Produkt aus, oder lassen es sich zeigen. Ich habe schon erlebt, dass vor einem Fleischstand einer Frau verschiedene Stücke gezeigt wurden. Sie konnte sich nicht entscheiden, was hier in Deutschland schon ein k.o. Kriterium wäre. Das dauerte natürlich ein Weilchen, aber die Wartenden hatten Verständnis, denn ist man selbst an der Reihe, kann man das gleiche Privileg für sich in Anspruch nehmen.

Das geduldige Stehen in einer Reihe ist selbstverständlich. Werden kleine Körbe, oder Schalen angeboten, kann man sich auch schon vorher die Waren in diese hinein legen. Ist das nicht der Fall, wartet man bis man dran ist. Punkt. Es ist nicht unüblich, auch auf Märkten mit der Bankkarte zu bezahlen. auch kleinere Beträge. In Sachen Digitalisierung sind die Franzosen weiter als wir Deutschen.

Nach dem Einkauf geht man in ein Bistro, eine Bar oder den Salon de Thé und setzt sich auf die Terrasse. Die Mehrzahl nimmt dort einen Apéro oder Café. Wird dort auch Mittagessen angeboten schaut man, wo die Tische nicht eingedeckt sind und setzt sich dort auf ein Glas hin. Gedeckte Tische sind den Mahlzeiten vorbehalten.

Ich liebe dieses gesellige Zusammensein nach dem Einkauf. Es ist lebendig, laut, und voller Lebensfreude. Gegen Mittag leert es sich, die Marktstände werden abgebaut und jeder geht seiner Wege.

Üblicherweise ist Markttag einmal in der Woche. In den größeren Städten auch häufiger. Ein städtischer Markt weitet sein Angebot auf Kleidung, Schmuck, Kosmetikprodukte usw. aus. Mir sind die kleinen Märkte lieber, weil alles überschaubarer und gemütlicher ist. In der Hauptsaison, bis zum Rentrée Anfang September, gibt es auch ein Angebot an „Nachtmärkten“. In den Gemeinden und Ferienwohnungen liegen manchmal Flyer aus, wo und wann Märkte stattfinden. Der Nachtmarkt beginnt am frühen Abend. Einheimische und Touristen bewundern die angebotenen Waren und sammeln sich vor den Ständen, um das reichhaltige Angebot an Essen zu genießen. Tische und Bänke werden aufgebaut und jeder rückt ein bisschen zur Seite, die Stehenden noch dazwischen zu quetschen. Musik spielt auf und man kann Tanzeinlagen bestaunen und sich dargebotene Performances anschauen. Das gibt es ab September nicht mehr, weil die meisten Touristen abgefahren sind und die Regionen stiller und beschaulicher werden. Obwohl es recht wuselig auf den Märkten zugeht und die drangvolle Enge nicht jedermanns Ding ist, sollte man als Feriengast dieses Event wenigstens einmal mitgemacht haben. Für mich zählt es mit zu den besten Erinnerungen eines Urlaubs.

Ich/wir haben uns angewöhnt, Supermärkte in der Mittagszeit zu besuchen. Traditionellerweise essen Franzosen zwischen 12 Uhr und 14:30 Uhr. Die Supermärkte sind dann nicht mehr so voll und das Einkaufen ist entspannter. Kleinere Geschäfte schließen in der Regel um die Mittagszeit, wobei die Orte um diese Zeit ausgestorben wirken.

Nach dem Essen ist in Frankreich vor dem Essen. Ist die Mahlzeit beendet und sind die Tische abgeräumt, kommen die ersten Gäste schon wieder auf einen Apéro….

N
Würste in allen Variationen

!! Tipp 4

„Einkaufen in Frankreich Teil 1“

Damit wir uns gleich zu Anfang richtig verstehen: ich liebe es, in Frankreich einkaufen zu gehen. Normalerweise gehe ich nicht gerne einkaufen, schon gar nicht Lebensmittel. Lebensmittelkauf empfinde ich als anstrengend und in der Regele drücke ich mich davor. Diese ungeliebte heimatliche Pflicht ändert sich schlagartig, wenn ich französischen Boden betrete. In Frankreich gehe ich fast täglich einkaufen, was von meinen Begleitern natürlich nicht umkommentiert hingenommen wird.

Es gibt Gründe für meinen plötzlichen Aufschwung in Sachen Lebensmittelkauf. Wie ich schon zuvor bemerkt habe, nimmt die Nahrungsaufnahme in diesem Land einen sehr hohen Stellenwert ein. Das gilt dann auch für uns. Wir reden in Frankreichurlauben gerne über das Essen, überlegen, was wir kochen sollen und marschieren dann los, alles zu besorgen, um es zu einer leckeren Mahlzeit zuzubereiten. Ein Hauptgrund für meine Einkaufsbegeisterung ist die Tatsache, dass man in allen Geschäften sehr freundlich begrüßt wird. Böse Zungen behaupten, dass ich die Geschäfte gerne betrete, weil ich die Begrüßung „Bonjour Madame“ so gerne höre. Das ist es natürlich nicht allein. Allgemein ist meine Wahrnehmung, dass die Freundlichkeit im Dienstleistungssektor in unserem Nachbarland sehr ausgeprägt ist. Wenn ich in Deutschland einen Laden betrete, habe ich oftmals das Gefühl, dass die Kunden stören. „Entschuldigung , wo finde ich….“ ist wahrscheinlich der meist gesprochene Satz in unseren Geschäften. Ich habe in Frankreich nie das Gefühl, dass ich mich entschuldigen muss, wenn ich etwas nachfrage.

Wir kochen im Urlaub sehr gerne. Deshalb mieten wir uns Ferienhäuser. Ab und an gehen wir auch in ein Restaurant, die Regel ist es allerdings nicht. In einem Hotelzimmer kann man nichts zubereiten, was ich bei der großen Auswahl, vor allem der Märkte, sehr schade fände. Sind wir in Paris, oder nur kurzfristig in Frankreich, gehen wir natürlich in Restaurants essen. Darüber habe ich schon vorher ausführlich geschrieben.

Natürlich kann man auch in Deutschland gut einkaufen gehen und letztlich bekommt man hier das Gleiche, wie in Frankreich. Ich gebe zu, dass ein wenig „Urlaubsverklärung“ meine Wahrnehmung eintrübt. Trotzdem behaupte ich, dass die Qualität der angebotenen Waren besser ist, als bei uns.

Was es bei uns, auf jeden Fall dort wo ich wohne, definitiv nicht gibt, ist das Sortiment an Fisch und Meeresfrüchten. Da wir weit entfernt vom Meer wohnen, hat es hier auch keinen hohen Stellenwert. Es gibt zwar Fischstände auf den Wochenmärkten, mit Frankreich ist das allerdings nicht zu vergleichen. In der Bretagne gibt es Fisch und Krustentiere in allen Formen, Variationen und Arten und das in allerfeinster Qualität… auch in den Supermärkten.

Vegetarier und Veganer müssen jetzt sehr stark sein. Besser, sie überspringen den Absatz und lesen später weiter! Wir essen fast ausschließlich Fisch und Meeresfrüchte, wenn wir in der Bretagne sind. Rund um L’Aber Wrac’h im Finistère gibt es Austern, die in unseren Augen absolute Champions League sind. Muscheln, Krebse, Hummer, Meeresschnecken… alles total lecker und super frisch. In der Bretagne ist das für die Einheimischen „normale“ Kost, für uns jeden Tag ein Festessen. Die Preise dafür sind moderat und an die Zubereitung gewöhnt man sich auch.

Encore Paris Teil IV 2022

Am nächsten Morgen schneite es dicke Flocken. In all den Jahren habe ich Paris noch nie im Schnee gesehen. Zusätzlich war es eiskalt und wir waren bezüglich der Bekleidungsfrage schon beim Mehrschichtensystem angekommen.

Schnee in Paris

Es lag nahe, dass wir wegen der eisigen Temperaturen erneut die Passagen angesteuert haben. Obwohl von mir schon unzählige Male besucht, werde ich nicht müde, hier durchzuflanieren. Bei dem Wetter war das auch eine gute Entscheidung weil die Passagen überdacht sind. Da ich sie schon ausführlich beschrieben habe beschränke ich mich auf die Feststellung, dass ich es auch hier noch nie so wenig bevölkert erlebt habe.

Am Nachmittag sind wir dann mit dem Zug wieder Richtung Heimat gefahren und problemlos zuhause angekommen.

Fazit dieser Reise: Ich kann mich nicht erinnern, Paris je so wenig touristisch gesehen zu haben. Gerne würde ich öfter im Winter hierher fahren, aber leider bin ich ziemlich verfroren und nehme lieber die Touristen, als die Kälte in Kauf…obwohl, mit entsprechender Kleidung im Gepäck und in unserem gewohnten, besser beheizbaren Hotel, denke ich über diese Option noch einmal nach.

Zum Abschluss noch drei Restaurants die es wert sind, besucht zu werden.

Zuerst das „Chez Janou“ im Marais, 3. Arr. Der Besitzer ist aus der Provence und das Essen ist entsprechend ausgerichtet. Es gibt unzählige Sorten von Pastis im Ausschank, die von unserer männlichen Begleitung ausführlich getestet wurden, weil sie sich nicht für eine Sorte entscheiden konnten. Das Essen ist gut. Restaurants mit gutem Essen bleiben in Paris nicht lange ein Geheimtipp. Die Schlangen vor dem Restaurant sind dementsprechend lang, daher sollte man unbedingt vorher reservieren. Wir haben ohne Reservierung noch einen Tisch auf der Terrasse unter einem Heizpilz ergattert, was sich als sehr vorteilhaft herausgestellt hat. Drinnen war es ohrenbetäubend laut und je später es wurde, desto höher stieg der Pegel…an Alkohol und Lautstärke. Wenn man sich unterhalten möchte, ist ein Platz auf der Terrasse die bessere Wahl.

Chez Janou
Pastis Tasting
Köstlich zubereiteter Fisch
…natürlich Crème Brûlée zum Dessert

Das „la Palette“ ist ein Bistro im 6. Arr. und kann als typisch französisch bezeichnet werden. Die Räume, sowie die Fassade stehen unter Denkmalschutz. Das Bistro befindet sich auf der ‚Rue de Seine‘ und hat eine ganz wunderbare Jugendstil Einrichtung. An den Wänden hängen Bilder derjenigen Künstler, die hier gelebt und gearbeitet und dem Quartier ihren Stempel aufgedrückt haben. Das Essen ist deftig und reichlich, aber keinesfalls raffiniert. Hierhin kommt man nicht wegen des Essens, sondern wegen der einzigartigen Atmosphäre.

Croque-monsieur und Charcuterie

Zuletzt noch ein relativ neues Lokal. Das „Canard & Champagne“ findet man in der ‚Passage des Panoramas‘, 2.Arr., meiner Lieblingspassage in Paris. Wie der Name schon verrät, stehen auf der Speisekarte nur Gerichte mit Ente. Champagner muss man dazu nicht bestellen, die Karte bietet auch viele andere Getränke an. Das Essen war köstlich und das Dessert, ein Traum aus Schokolade und Sahne, ein Gedicht. Die Einrichtung ist stylisch, lädt allerdings nicht zum längeren Verweilen ein, dazu sind die Stühle zu unbequem.

Parmentier de Canard/Ente mit Kartoffelpüree und Käsekruste
Gigot de Canard/Entenkeule

Alle drei Restaurants haben, für Pariser Verhältnisse, akzeptable Preise.

Encore Paris Teil III 2022

Mittlerweile waren wir im tiefsten Winter angekommen. Es war kalt, windig und zwischendurch auch mal nass. Draußen etwas zu unternehmen stellte sich als ungemütlich heraus. Aber da wir keine Schönwetterreisenden sind, hat uns das nicht abgehalten, wenigsten einige outdoor Aktivitäten einzustreuen.

Der erste Weg führte uns auf die Rue de Rivoli in eine Buchhandlung. Eine stolze, traditionelle Bastion gegen Amazon und Co, schön gelegen gegenüber des riesigen Jardin de Tuileries. Nur ein paar Häuser neben der Buchhandlung, das ‚Café Angelina‘, seit 1903 eine „süße“ Pariser Institution im feinsten Belle Époque Interieur. Das Café ist bekannt und bei Touristen sehr beliebt. Es kann vorkommen, dass man sich in eine Schlange einreihen muss, um irgendwann einen Platz zugewiesen zu bekommen. Das Warten lohnt sich, denn die berühmte, heiße Schokolade ist ein unvergleichliches Geschmackserlebnis und die Kuchen, Törtchen und Plätzchen eine Augenweide. Alles hat natürlich seinen Preis.

Café Angelina

Von der Metrostation Pont Neuf aus, marschierten wir anschließend über den Quai de Conti in Richtung ‚Institut de France‘, vorbei an der 800 Jahre alten Rue de Nevers. Obwohl fast gegenüber vom Pont Neuf gelegen, wird sie kaum von Touristen bemerkt, wahrscheinlich weil sie so schmal ist.

Rue de Nevers

Die Académie française ist heute Teil des Zusammenschluss‘ von vier Akademien und Sitz von Wissenschaft und Kunst. Sie ist von diesen die Berühmteste und gilt als Hüterin der französischen Sprache und Literatur. In diesem altehrwürdigen Gebäude hat das gemeine Volk keinen Zutritt, mit Ausnahme der ‚Bibliothèque Mazarine‘. Die Bibliothek war die erste öffentliche Bibliothek Frankreichs und besitzt ca. 600 000 Werke. Der Eintritt ist kostenlos, man benötigt lediglich einen Personalausweis.

Institut de France

Ich kann jetzt nicht schreiben, dass es mir die Sprache verschlagen hat, als ich die Bibliothéque betrat, denn gesprochen werden darf nicht, man kann allerhöchstens leise flüstern. Aber ich habe tatsächlich die Luft angehalten. Der Anblick der Räume, vor allem des großen Lesesaals ist… atemberaubend. Die historische Einrichtung von 1691 ist noch erhalten. An den Wänden reihen sich die Bücher in wunderschönen alten Holzregalen und sind teilweise über alte Leitern zu erreichen. Mittig im Lesesaal sind Tische angeordnet und mit PCs ausgestattet, denn heutzutage sind natürlich alle Werke digitalisiert. Da wir Besucher waren, konnten wir weder einen Blick auf einen PC werfen, noch auf einem der Stühle Platz nehmen. Das ist den Forschenden vorbehalten, die hier in Ruhe arbeiten wollen. Auch der Dielenfußboden ist historisch und knarrte bei jedem unserer Schritte, was uns etwas peinlich war. Die Räume strahlen eine ganz besondere Atmosphäre aus. Das Wissen von Jahrhunderten, aufbewahrt in tausenden Büchern, hat uns tief berührt und es war schwer, den Weg zurück in die wuselige Stadt zu gehen.

Eingang in den Lesesaal
Der Lesesaal
Bücherregale
Die Büsten namhafter Wissenschaftler

Da das 6. Arr. in der Nähe ist, sind wir noch ein wenig durch das Viertel geschlendert. In den vergangenen Jahren habe ich es immer als unsäglich überfüllt erlebt und daher meist gemieden. Diesmal war es, wahrscheinlich wegen des schlechten Wetters, ruhig und (fast) menschenleer. Die Gegend rund um Saint-Germain-des- Prés ist sehr schön und sehr geschichtsträchtig. Die verwinkelten Strassen und kleinen Gassen, Restaurants wie das ‚Le Procope‘, das zu den ältesten Gaststätten der Welt gehört, die literarischen Cafés, wie das ‚Café de Flore‘ und das ‚Les Deux Magots‘, Plätze, Kirchen, Märkte, Hinterhöfe…allein dieses Viertel füllt ganze Bücher.

Le Procope
Place Furstenberg

Zum Abschluss des Tages standen wir noch vor der Kirche St-Julien-le Pauvre, ein Gotteshaus mit einer bis ins 6. Jahrhundert zurückreichenden, überaus wechselvollen Geschichte. Es fällt heute schwer, sich die prunkvollen Zeiten dieser Kirche vorzustellen. Eine wunderbare Zeremonie des Mittelalters fand in diesen Gemäuern statt. Die Rektoren der Sorbonne wurden hier gewählt und bekamen den Hermelinmantel umgelegt und das Siegel der Universität überreicht. Von den glanzvollen Tagen ist nichts mehr übrig. Geblieben ist ein Ort der Stille und Einkehr, in dem der Lärm der Stadt keinen Zugang hat. Im seitlichen, kleinen Park wächst, mittlerweile durch Pfähle abgestützt, der älteste Baum von Paris, eine Robinie, durch deren Äste die Türme von Notre Dame schimmern.

St-Julien-le-Pauvre
Robinie

Encore Paris Teil II 2022

Am nächsten Tag gab es dann ein starkes Temperaturgefälle und es war vorbei mit dem Frühling. Wir hatten zwar Schirme und auch wärmende Kleidung dabei, trotzdem haben wir uns entschlossen, den Tag indoor zu verbringen.

Zuerst waren wieder die Stoffgeschäfte dran. Da ich darüber beim letzten Mal sehr ausführlich berichtet habe, beschränke ich mich nur auf die Erwähnung, dass alles genau so war, wie ich es in Erinnerung hatte. Diesmal sind wir etwas gezielter vorgegangen und ich habe mich nicht so sehr verzettelt, wie davor. Platt waren wir trotzdem. Da das Frühstückscroissant nicht so lange satt macht, haben wir uns auf die Suche gemacht und sind wegen des einsetzenden Regens rasch irgendwo eingekehrt. Der gewählte „Italiener“ war erstaunlich gut, obwohl ich in Paris lieber französisch esse.

Danach stand ein Museumsbesuch auf dem Plan. Das Musée de „L’Histoire de la Médecine“ im Quartier Latin ist in der Université Paris Descartes beheimatet. Es gibt zwar Hinweisschilder zum Museum am Eingang, aber leicht zu finden ist es trotzdem nicht. Man muss lange Flure und viele Treppen überwinden, bevor man durch eine unscheinbare Tür eintreten kann. Steht man dann in dem großen Raum, mehr ein Saal mit einem schönen Glasdach und Vitrinen, umfängt einen gleich eine ganz ungewöhnliche Atmosphäre. Hier weht ein Hauch von altem Wissen und Entdeckerfreude. Gezeigt wird eine Sammlung historischer Medizininstrumente und Produkte, die einen Einblick in die Medizintechnik und Behandlungsmethoden von der Antike an gewährt. Wie so oft überkommt mich das Gefühl von Dankbarkeit, dass ich in der Jetztzeit lebe, denn die Behandlungspraxis die dort dargestellt wird, treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Das gruseligste Objekt ist ein Glastisch, der komplett aus menschlichem Material gefertigt ist, hergestellt durch einen geschickten Einbalsamierer. Aber als Tisch? Ich stellte mir dauernd vor, wie man sein Getränk auf Drüsen, Ohren, Wirbelkörper, Blut und einen Fuß abstellt…

Mir ist es schleierhaft, dass dieses Museum völlig unbemerkt von jeglichem Tourismus existiert, denn es ist die älteste Sammlung in Europa, die sich diesem Thema widmet.

Das Museum
Ersatzaugen
Beistelltisch aus menschlichen Einzelteilen

Da wir uns im Quartier Latin befanden, haben wir auch noch einen Rundgang angeschlossen. Auch hier war ich lange nicht mehr, weil ich die ausufernden Touristenströme so gar nicht mag. Diesmal war es, na ja, nicht wirklich menschenleer, aber wegen der unbestimmten Wetterlage wirklich akzeptabel. Wir konnten in aller Ruhe durch die alten, schöne Gassen schlendern, Fassaden bewundern, in Geschäften und Galerien stöbern und uns unseren Vorstellungen überlassen, was diese Straßen und Häuser schon alles gesehen haben. Zwischendurch war ich völlig in der Zeitschleife gefangen, denn hier habe ich gewohnt, als ich das erste Mal mit 18 Jahren eine Zeit in Paris verbrachte.

Dieses Straßenschild aus dem 5. Arr. hängt bei uns im Flur (ganz legal erworben :-))
Rue Suger

Mitten in dem ganzen Gewusel von Souvenirkitsch und Fressbuden der Touristenhochburg, liegt die Kirche Saint-Séverin. Dieses gotische Gotteshaus gilt mit als die älteste und für mich schönste Kirche der Stadt. Drinnen ist es still und man kann sich ausruhen, meditieren oder die unvergleichliche Architektur bewundern. Immer wieder fällt der Blick auf die gedrehte Säule in der Mitte, die sich zur Decke hin windet und sich dort mit den anderen Säulen verwebt. Das alles hat eine Leichtigkeit, die geneigt ist, alles Schwere außen vor zu lassen.

Wasserspeier, schöner als die von Notre Dame und vor allem, von unten besser zu sehen
Saint Séverin mit gedrehter Säule