9. Die Bretagne Teil I

Vom Mont St.-Michel nach Douarnenez
Flagge der Bretagne

Wenn ich wie jetzt an grauen Novembertagen vor meinem PC sitze und über die Bretagne schreibe frage ich mich, was es genau ist, das mich an dieser Region so fasziniert? Vor meinem geistigen Auge läuft dann ein Film ab von Meer, Wellen, Küste, Weite, bizarren Strandabschnitten mit feinem Sand und großen Felsen, Asterix, Hinkelsteinen, Seeluft, Ebbe und Flut, Cidre, Crêpes, Fischfang, Sardinen, Häfen, Artus, Morgane, Kalvarienberge und und und……es ist alles, aber insbesondere ist es das Licht. Dieses unvergleichliche Licht der Bretagne, das mir sofort vor Augen kommt, wenn ich an diese eigenwillige Region Frankreichs denke, die sich so gar nicht in eine Schublade stecken lässt. Die Luft flimmert durch den hohen Salzgehalt des Meeres das verdunstet und die Luft mit Tröpfchen füllt, in denen sich das Licht bricht. Dadurch entsteht ein schimmerndes, flirrendes Licht, das intensiv die Farben wahrnehmen lässt und eine eindringliche Intensität hat. Das Meer und der Himmel scheinen blauer, die Pflanzen bunter, der Wald grüner und der Himmel violetter zu sein als anderswo. Grautöne in allen Nuancen zeigt der Granit der Häuser, davor rosa, blaue, violette Hortensienbüsche. Tiefblaue Fensterläden und Gartenzäune erfrischen das Auge. Licht und Schatten, hell und dunkel, grau und farbig, unwirklich.

Bretonisches Haus
Intensive Blautöne

Ich sage es gleich vorweg, die Bretagne ist nicht für jeden geeignet. Es ist ein raues, manchmal schroffes Land. Strandleben, wo man seinen gestählten Body zur Schau stellen kann, existiert kaum. Das Meer ist, na sagen wir mal….erfrischend kühl (auch im Sommer selten wärmer als 18°C). Der Menschenschlag ist eher spröde, keineswegs redselig und das Wetter mehr als wechselhaft.

Die Schönheit der Bretagne erschließt sich nur, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und nicht versucht, sie mit anderen französischen Regionen zu vergleichen. Es kann sein, dass sich das Grau der Bretagne über mehrere Tage zeigt und damit schon so manchen Urlauber weiter in den Süden getrieben hat. Trotz der gelegentlich widrigen Umstände ist die Bretagne eine überaus beliebte Ferienregion. Im Sommer sind die Strände gefüllter, die Restaurants voller und die Städte überschwemmt mit Touristen. Im September ist es leerer und manche Orte sogar recht verlassen.

Als wir müde, verschwitzt und hungrig endlich unser Ziel, Douarnenez, erreicht hatten, war unsere Stimmung auf dem Tiefpunkt. Die Sonne war längst untergegangen und der Ort zeigte uns seine graue, wenig freundliche Seite. Schon die Anfahrt durch Douarnenez machte klar, dass dieser Flecken nicht das ist, was wir uns vorgestellt hatten. Die von uns gemietete Ferienwohnung, irgendwas mit ‚Design‘ im Namen, war in der vierten Etage ohne Lift und ausgestattet mit durchgelegenen Matratzen. Na toll! Die von oben aus grandiose Aussicht haben wir gar nicht wahrgenommen, weil unser Blick entsetzt auf die, gleich neben dem wirklich schönen Hafenabschnitt liegende, Sardinenfabrik fiel. Flüchten, oder standhalten? Wir sind geblieben, was sich im Nachhinein als weise Entscheidung entpuppte. Der Blick auf Hafen und Meer war von oben spektakulär und die Arbeit am Hafen und rund um die Sardinenfabrik, zeigte uns die authentische Seite der Bretagne, die wir sonst nie gesehen hätten.

Die Aussicht von unserer Wohnung im Morgengrauen…..
….und am Abend
Granithäuser in Douarnenez
Alte Unterkunft für Sardinenfischer

Nachdem wir die Wohnung etwas umdekoriert hatten, sah die ganze Angelegenheit am nächsten Morgen schon viel freundlicher aus. Gleich unter uns am Hafen waren mehrere Fischrestaurants mit feinem Essen, was wir im Laufe der Zeit ausgiebig getestet haben. Die historische Markthalle bot regionale Produkte und frischen Fisch und der Bäcker, gleich um die Ecke, war so bekannt, dass sich jeden Tag davor lange Schlangen bildeten. Von unserem kleinen Balkon aus, konnte man das geschäftige Hafentreiben gut beobachten. Die Sardinenfabrik war zwar immer noch da, das möchte ich nicht schön reden. Aber irgendwie gehörte sie dazu. Beim ersten Tuckern der Fischerboote morgens früh, habe ich mich aus dem Bett gerollt und den Sonnenaufgang beobachtet. Dieser Anblick wird mich hoffentlich durch den langen Winter tragen.

Alte Markthalle
Jeden Tag fangfrischen Fisch
Regionale Produkte
Ohne Baguette kein Essen in Frankreich
Ausfahrt der Fischerboote in der Morgendämmerung

An der Meerseite der Bretagne richtet sich das Leben nach den Gezeiten. Überall hängen Gezeitenkalender, die man sich tunlichst abfotografieren sollte. Das ist vor allem für Strandläufer wichtig, denn kommt die Flut, muss man sich beeilen, um schnell wieder Festland unter den Füßen zu bekommen. Das Meer zeigt bei Ebbe seinen Grund. Da sind große und kleine Steine, Algen, Muscheln, Meerschnecken und alles was so am Meeresgrund existiert und die Ebbe überlebt. Vieles davon kann man essen, daher sieht man bei Ebbe reichlich Leute, die mit Netzen und Eimern ausgestattet „Meeresfrüchte“ für die nächste Mahlzeit einsammeln. Die Flut kommt rasch. Das unterschätzen viele Urlauber und wagen sich oft zu weit hinaus, was nicht ungefährlich ist, weil der Atlantik recht ruppig ist. Man findet hier auch riesige Austernbänke. Austern aus diesem Abschnitt Frankreichs gehören zu den besten der Welt. Es gibt wahrscheinlich nichts, was den Geschmack des Meeres besser einfängt als Austern und bevor ihr igitt sagt, bitte erst probieren!

Strandläufer

Wir waren jeden Tag unterwegs und haben die Gegend erkundet. Ein Kaleidoskop wunderschöner, wilder Küstenabschnitte zieht gerade an meinem geistigen Augen vorbei. Eigentlich ist alles empfehlenswert, was auf Landkarten und Reiseführern mit einem Sternchen markiert ist. Manchmal sind die Wellen ungezügelter, manchmal trifft man auf einen Leuchtturm, manchmal gibt es steilere Küstenabschnitte, manchmal ist der Weg einfacher zu laufen. Glücklicherweise steht rund um die Küstenlinie fast alles unter Naturschutz, was viele Wanderer zu schätzen wissen, denn obwohl man zu den meisten Aussichtspunkten mit dem Auto fahren muss, ist wandern in der Bretagne eine wunderbare Art, seinen Urlaub zu verbringen, was auch von vielen genutzt wird.

Entlang der bretonischen Küste führt ein alter Zöllnerpfad ( Sentier des douaniers, GR 34 ) Er erstreckt sich vom Mont St-Michel bis Saint-Nazaire im Süden und gilt als der schönste Wanderweg Frankreichs. Er ist über 2000 km lang und windet sich rings um die bretonische Küste. Viele Wanderer nutzen ihren Urlaub, um Teilstücke dieses Weges zu laufen. Spektakuläre Aussichten belohnen die Anstrengungen. Steile Klippen, versteckt liegende Höhlen, Buchten, Strände, Pflanzen, immer währender Wind, peitschende Gischt und seltene Vogelarten bekommt man gratis dazu.

Schroffe Felsen
Einsame Strände
Naturschutzgebiet

Wenn ich geschrieben habe, dass das Wetter sehr wechselhaft ist heißt das auch, dass es sich schnell zum Guten hin ändert. Kenner versichern, dass das Wetter bis zu zwölfmal am Tag umschlagen kann. Selten regnet es sich richtig ein, davor bewahrt schon der häufig, auch kräftig, wehende Wind. Die Sommer sind angenehm, nie zu heiß und die Winter mild.

Wir hatten in diesem September sehr schönes Wetter. Es war mild, manchmal richtig warm und relativ windstill. Allerdings wurden wir auf den Klippen auch von kräftigem Wind durchgeschüttelt, gegen den wir anreden und anlaufen mussten. Nicht zu unterschätzen ist die intensive Strahlung der Sonne. Eine Sonnenschutzcreme gehört auf jeden Fall zur Standardausstattung.

Da ich hier keinen Reiseführer, sondern meine persönlichen Eindrücke niederschreibe, erspare ich mir die Empfehlung von Sehenswürdigkeiten. Es gibt sehr viel zu sehen in dieser Region. Selbst wenn man wie wir den ganzen Tag unterwegs ist wird man es kaum schaffen, alles zu besuchen was geboten wird…. und, es soll ja auch noch erholsam bleiben.

Impressionen

1 Kommentar

  1. Caligari sagt:

    Wunderbare Urlaubserinnerungen vor unserem geistigen Auge, die uns hoffentlich über den Winter retten….. 😀

    Gefällt mir

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