„Einkaufen in Frankreich Teil 1“
Damit wir uns gleich zu Anfang richtig verstehen: ich liebe es, in Frankreich einkaufen zu gehen. Normalerweise gehe ich nicht gerne einkaufen, schon gar nicht Lebensmittel. Lebensmittelkauf empfinde ich als anstrengend und in der Regele drücke ich mich davor. Diese ungeliebte heimatliche Pflicht ändert sich schlagartig, wenn ich französischen Boden betrete. In Frankreich gehe ich fast täglich einkaufen, was von meinen Begleitern natürlich nicht umkommentiert hingenommen wird.
Es gibt Gründe für meinen plötzlichen Aufschwung in Sachen Lebensmittelkauf. Wie ich schon zuvor bemerkt habe, nimmt die Nahrungsaufnahme in diesem Land einen sehr hohen Stellenwert ein. Das gilt dann auch für uns. Wir reden in Frankreichurlauben gerne über das Essen, überlegen, was wir kochen sollen und marschieren dann los, alles zu besorgen, um es zu einer leckeren Mahlzeit zuzubereiten. Ein Hauptgrund für meine Einkaufsbegeisterung ist die Tatsache, dass man in allen Geschäften sehr freundlich begrüßt wird. Böse Zungen behaupten, dass ich die Geschäfte gerne betrete, weil ich die Begrüßung „Bonjour Madame“ so gerne höre. Das ist es natürlich nicht allein. Allgemein ist meine Wahrnehmung, dass die Freundlichkeit im Dienstleistungssektor in unserem Nachbarland sehr ausgeprägt ist. Wenn ich in Deutschland einen Laden betrete, habe ich oftmals das Gefühl, dass die Kunden stören. „Entschuldigung , wo finde ich….“ ist wahrscheinlich der meist gesprochene Satz in unseren Geschäften. Ich habe in Frankreich nie das Gefühl, dass ich mich entschuldigen muss, wenn ich etwas nachfrage.
Wir kochen im Urlaub sehr gerne. Deshalb mieten wir uns Ferienhäuser. Ab und an gehen wir auch in ein Restaurant, die Regel ist es allerdings nicht. In einem Hotelzimmer kann man nichts zubereiten, was ich bei der großen Auswahl, vor allem der Märkte, sehr schade fände. Sind wir in Paris, oder nur kurzfristig in Frankreich, gehen wir natürlich in Restaurants essen. Darüber habe ich schon vorher ausführlich geschrieben.
Natürlich kann man auch in Deutschland gut einkaufen gehen und letztlich bekommt man hier das Gleiche, wie in Frankreich. Ich gebe zu, dass ein wenig „Urlaubsverklärung“ meine Wahrnehmung eintrübt. Trotzdem behaupte ich, dass die Qualität der angebotenen Waren besser ist, als bei uns.
Was es bei uns, auf jeden Fall dort wo ich wohne, definitiv nicht gibt, ist das Sortiment an Fisch und Meeresfrüchten. Da wir weit entfernt vom Meer wohnen, hat es hier auch keinen hohen Stellenwert. Es gibt zwar Fischstände auf den Wochenmärkten, mit Frankreich ist das allerdings nicht zu vergleichen. In der Bretagne gibt es Fisch und Krustentiere in allen Formen, Variationen und Arten und das in allerfeinster Qualität… auch in den Supermärkten.
Vegetarier und Veganer müssen jetzt sehr stark sein. Besser, sie überspringen den Absatz und lesen später weiter! Wir essen fast ausschließlich Fisch und Meeresfrüchte, wenn wir in der Bretagne sind. Rund um L’Aber Wrac’h im Finistère gibt es Austern, die in unseren Augen absolute Champions League sind. Muscheln, Krebse, Hummer, Meeresschnecken… alles total lecker und super frisch. In der Bretagne ist das für die Einheimischen „normale“ Kost, für uns jeden Tag ein Festessen. Die Preise dafür sind moderat und an die Zubereitung gewöhnt man sich auch.

