Frankreichurlaub Bretagne September 2023

Teil 3/ „Portsall“ „Pointe de Saint-Mathieu“

‚Portsall‘ ist ein netter, kleiner Ort an der Küste. Geht man die Hauptstraße entlang blickt man auf einen Naturhafen mit Booten, die bei Flut träge im Wasser schaukeln und auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf einige nette Restaurants und ein paar kleine Geschäfte. Ein eher unbedeutender Ort, den aber jeder in Frankreich und wahrscheinlich auch viele Nichtfranzosen kennen, weil er 1978 traurige Berühmtheit erlangte.

Portsall mit Naturhafen
Naturhafen

An dieser Küste, die ich im vorherigen Beitrag beschrieben habe und die unweit von Portsall liegt, sank im März 1978 die ‚Amoco-Cadiz‘. Der riesige Supertanker hatte einen Ruderschaden und konnte einem gewaltigen Sturm nicht standhalten. Das Schiff lief auf einen Felsen und zerbrach in mehrere Teile. Ca. 220 000 Tonnen Rohöl liefen in das Meer und verursachten eine der größten Umweltkatastrophen in der Geschichte. In wenigen Tagen wurden mehr als 300 km Küste mit einem schwarzen Ölteppich überzogen. Es dauerte Jahre, bis die offensichtlichen Spuren dieser Ölpest verschwunden waren. Heute erinnert nur ein zerbrochener Anker an der Hafenmole von Portsall an dieses Unglück. Einige Wrackteile des Tankers ragen bei extremem Niedrigwasser aus der Wasseroberfläche und die genaue Stelle des Unglücks markieren zwei Betonpfeiler, gebaut auf dem offenen Meer.

Ankerteile der ‚Amoco-Cadiz‘
Die beiden Felsen mit den Betonpfeilern, die die Unglücksstelle markieren

Es gibt in Portsall an einigen Stellen Fotos von den Reinigungsarbeiten, an der das Militär und tausende freiwillige Helfer beteiligt waren. Wenn man an der Hafenmole steht und auf das blaue Meer schaut fällt es schwer sich vorzustellen, dass das Meer eine schwarze, schlammige Masse war und das Öl, das gesamte Ufer mit einem öligen Film überzog. Die Flora und Fauna wurde größtenteils vernichtet, sowie ein Großteil der Existenzen der Menschen, deren Arbeitsfeld das Meer war. In einem Café an der Mole wurden die Hilfsmaßnahmen koordiniert. Das Haus gibt es noch, nur die Besitzer haben gewechselt.

Weiter südlich die Küste entlang, westlich von Brest, befindet sich an einer Steilküste eine interessante Sehenswürdigkeit, der ‚Phare de Saint-Mathieu‘. Dieser 37 Meter hohe Leuchtturm liegt direkt neben einer Klosterruine und verschmilzt mit dieser, wenn man beides aus einem bestimmten Winkel betrachtet. Die Lage ist phantastisch, direkt am Meer gelegen. Das alles kann von oben betrachtet werden wenn man bereit ist, die Leuchtturmstufen zu erklimmen. Belohnt wird man mit einer beeindruckenden Aussicht weit über das Meer. Die Verbindung zwischen Leuchtturm und Ruinen eignet sich ideal als Fotomotiv, weil man den Eindruck hat, der Turm wächst aus den Ruinen heraus. Vom ehemaligen Kloster blieb neben den verfallenen Gemäuern, nur eine kleine Kirche übrig, die besichtigt werden kann.

Rund um Leuchtturm und Ruinen ist es touristisch. Hier gibt es Gastronomie, ein Hotel, Picknickplätze, Liegestühle und Spazierwege. Parkplätze sind ebenfalls ausreichend vorhanden. Dieses schöne Stückchen Bretagne ist auf jeden Fall einen Ausflug wert.

Phare de Saint-Mathieu und Klosterruine
Phare de Saint-Mathieu und Klosterruine
Auf einem der vielen Picknickplätze

Wir waren viel unterwegs an diesen wunderschönen Spätsommertagen. Die Küste bietet so viel; neben der grandiosen Meerseite, sind auch die nicht direkt am Meer gelegenen Gegenden durchaus sehenswert. Dolmen, Menhire, umfriedete Pfarrbezirke, kleine Schlösser, Felder und Wälder entlang der Abers tragen dazu bei, sein Herz an diesen wundervollen Landstrich zu verlieren.

Zwei Wochen Urlaub sind nix, das weiß jeder, der sich schweren Herzen von ihm trennen muß. Wir haben unsere Koffer gepackt und sind, mit einem Zwischenstop in Saint-Malo, wieder Richtung Paris gefahren. Der Sohn hat von dort aus die Heimreise nach Australien angetreten und wir hatten noch eine Übernachtung in Frankreichs Hauptstadt . Wir haben Frankreich verlassen mit der Versicherung , dass wir wiederkommen werden, was wir in den kommenden zwei Sommern auch gemacht haben.

Schnappschuss
Hafenidylle
Ebbe
Menhir de Kerloas
Austern aus dem Automaten
Nach der Flut