Frankreichurlaub Bretagne September 2023

Teil 1/“Cancale“

Im September 2023 sind wir erneut in die Bretagne gereist. Diesmal mit meinem Sohn, der sich aus seiner neuen Heimat, Australien, uns angeschlossen hat. Das hat im Vorfeld einiges an Planung erfordert, da wir uns Häuser mit getrennte Bereichen vorgestellt hatten, um sich nicht zu sehr „auf den Füßen“ zu stehen.

Der Sohn kam schon einige Tage vorher in Düsseldorf an und hat unsere Vorbereitungen ziemlich durcheinander gewirbelt, weil er sich vorgenommen hatte, in unserer Wohnung Station zu nehmen und bereits in Urlaubsstimmung war, während wir noch geplant und gepackt haben.

Am Abend vor der Abreise sind wir leider in einem örtlichen Brauhaus gestrandet und hatten am nächsten Tag alle, neben dem mangelnden Schlaf, auch Kopfschmerzen. Am „Urlaub machen“ hat uns das natürlich nicht gehindert, allerdings fiel der Aufbruch recht wortkarg aus. Wir sind mit dem Zug ‚Thalys‘, der jetzt ‚Eurostar‘ heißt, bis Paris gefahren und haben die Stecke sozusagen verschlafen.

Das von uns im Vorfeld gebuchte Auto konnte in der dafür zuständigen Agentur abgeholt werden. Netterweise lag das Ladengeschäft in fußläufiger Entfernung zum Pariser Nordbahnhof, dem Ziel unserer ersten Etappe. Ich habe mir sagen lassen, dass noch einige Schweißperlen geflossen sind, das Auto aus einer sehr beengten Tiefgarage heraus zu manövrieren. Habe davon nichts mitbekommen, da ich zum Warten und Gepäck aufpassen auf der Straße positioniert wurde. Die Männer haben sich in einen engen Lift gequetscht und das Auto schließlich herausgefahren. Pariser Seitenstraßen sind in der Regel beengt und ein Parkplatz steht selten zur Verfügung, dass das Einladen unserer Koffer, Taschen, Angeln usw. in der Parkverbotzone eines gegenüberliegenden Krankenhauses stattfand. Nach viel Gehupe und weiterem Schweißverlust saßen wir samt Gepäck endlich im Auto und konnten strafzettelfrei weiterfahren.

Einladen
Ausladen

Die Autofahrt nach ‚Cancale‘, unserer ersten Station in der Bretagne, war problemlos, da die Strecke weitestgehend über Autobahnen führt. Am Spätnachmittag kamen wir an, mussten allerdings zuerst noch einkaufen gehen und haben statt unseres Ferienhauses zuerst einen Supermarkt angesteuert.

Cancale ist eine wunderschöner Ort an der ‚Côte d’Émeraude‘ in der Bucht von ‚Mont-Saint-Michel‘ . Bekannt ist Canale für die Austernzucht. Die Austern haben den Ruf, die Besten der Bretagne zu sein. Ob das stimmt weiß ich nicht, die Austernzucht gibt allerdings dem Ort die Prägung. Täglich findet auf der Uferpromenade des Ortes ein Austernmarkt statt, der stark frequentiert ist. Austern können gleich dort verspeist werden, sie werden bereits geöffnet und mit Zitronenhälften garniert, auf Papptellern serviert. Natürlich befinden sich daneben Weinstände, wir sind schließlich in Frankreich. So sitzen die Besucher mit ihren Austerntellern und dem Glas Wein auf der Kaimauer und genießen beim Essen die Aussicht auf das Meer. Die Austernschalen werden gleich am Strand entsorgt und auf den bereits recht stattlichen Schalenberg geworfen.

Cancale
Austernmarkt
Austernmarkt
Schalenberg

Unser Ferienhaus befindet sich auf der Hauptzugangsstraße zur Promenade, zu den Geschäften und Restaurants. Es ist ein altes Fischerhaus in einer Reihe ähnlicher Häuser und entsprach allen Anforderungen, die wir an ein Urlaubsdomizil hatten, mit einer Ausnahme, es gab dort keine Möglichkeit draußen zu sitzen. Da wir allerdings nur ein paar Schritte vom Meer entfernt wohnten, war das kein Problem. In diesem September meinte der Wettergott es sehr gut mit uns und verwöhnte uns mit einer Aneinanderreihung traumhafter Spätsommertage. Die Urlaubslektüre wurde ungelesen mit zurück nach Hause genommen, weil wir jeden Tag der zwei Urlaubswochen in der Gegend unterwegs waren.

„Unsere“ Straße
Ansicht auf Cancale

Die Umgebung von Cancale ist sehenswert und lädt zu Ausflügen und Besichtigungstouren ein. Hauptattraktion ist zweifellos der „Mont-Saint-Michel“, dieses monumentale Bauwerk, UNESCO Weltkulturerbe und eine der touristischsten Attraktionen, die Frankreich zu bieten hat. Der Abteiberg mit der Kirche ist ein magischer Ort und ich würde jedem empfehlen, diesen zu besuchen. Ja, er ist völlig überfüllt und man teilt sich dieses Highlight mit unzähligen anderen Menschen. Einige Tipps kann ich geben, die einen Besuch entspannter werden lassen. Die Besuchszeit vor 10 Uhr morgens oder nach 17 Uhr am Nachmittag zu legen, nicht am Wochenende hinfahren, die Nebensaison einplanen. Geht das alles nicht…trotzdem hinfahren! In einem anderen Beitrag habe ich bereits über den Inselberg und meine Eindrücke dazu geschrieben. Dieser Zauber hat mich erneut erfasst, als wir uns an einem Spätnachmittag der Insel näherten, um ein paar Fotos zu machen. Die Tageszeit war günstig gewählt, die Touristen schon deutlich weniger und das Licht ideal zum Fotografieren.

Der Mont-Saint-Michel
Das Meer rund um den Inselberg

Es gibt einiges zu besichtigen in der Umgebung von Cancale. Da ich keinen Reiseführer schreibe, nenne ich nur diejenigen, die wir besucht haben. Die ‚Pointe du Grouin‘ gehört dazu. Dieses Kap, einige Kilometer entfernt, ist die Fahrt wert. Hohe Klippen mit spektakulären Aussichten auf das Meer, auf den Mont-Saint-Michel und die ‚Ilôt des Landes‘ mit einem Leuchtturm, der bereits im 19. Jahrhundert den Schiffen als Orientierung diente, bieten das typische Bretagne-Flair.

Pointe du Grouin
Pointe du Grouin

Der alte Zöllnerweg, ‚Sentier des Douaniers‘ (GR34) ist hier von mir schon oft erwähnt worden. Dieser Wanderweg löst bei mir regelrechte Begeisterung aus. Er führt natürlich auch an Cancale und die Küstenabschnitte der Umgebung vorbei. Vielleicht schreibe ich noch einmal etwas ausführlicher darüber, denn ein Bretagnetourist sollte unbedingt wenigstens einmal ein Teilstück auf ihm erlaufen. Die Belohnung ist die grandiose Aussicht auf das Meer von Plätzen aus, die mit dem Auto schwer, oder gar nicht zu erreichen sind.

Sentier des Douaniers
Sentier des Douaniers

Cancale war auch in der Nachsaison voller Touristen, die besonders am Wochenende aus den nicht so entfernten belgischen und französischen Städten anreisen. Wie alles hat das Vor- und Nachteile. Cancale bietet den Besuchern eine große Auswahl an schönen Restaurants und netten Geschäften. Restaurantreservierungen sind immer nötig, das ist in Frankreich auch andernorts üblich. Der Standort unseres Hauses lag an der Zugangsstraße zur Promenade. Da Parken dort fast unmöglich ist, gehen die weinseligen Besucher zu Fuß zu ihren Unterkünften und erfreuen jede Nacht die Bewohner mit ihren Stimmen und Gesängen. Mag nicht jeder, uns hat es nicht so sehr gestört.

Wie schnell eine Woche im Urlaub vergeht wurde mir wieder klar, als wir gefühlt gerade angekommen, auch schon wieder unsere Koffer packen mussten und ganz in den Westen ins Finistère gefahren sind.

Strand bei Cancale