„Einkaufen in Frankreich Teil 2“
Französische Märkte sind eine Welt für sich. Sie gehören zum Sozialleben der Franzosen und sind Treffpunkt für Jung und Alt. Irgendwo in den verschiedenen Regionen ist immer Markttag, meist vormittags zwischen 8 Uhr und 13 Uhr. Danach wird abgebaut und gegessen. Die Mahlzeiten werden eingehalten.
Man trifft sich auf Märkten, d.h. , trifft man sich während des Einkaufs, bleibt man stehen und plaudert, auch Mitten auf dem Markt. Alle anderen gehen dann ohne großes Gewese um die kleine, oder oft auch größere, Gruppe herum. Eile, wie wir sie in Deutschland kennen, wo sich die ersten schon beschweren, weil sie zwei Schritte mehr laufen müssen, habe ich noch nicht erlebt. Das gilt übrigens auch, wenn sich Personen auf den Bürgersteigen treffen. Alle laufen friedlich drum herum.
Die Auslagen der Stände sind eine Augenweide. In den kleineren Orten wird das angeboten, was die Landwirte der Umgebung produzieren und/oder ernten, in der Regel saisonale Produkte. Die Qualität ist immer 1A. Meist sind die Stände mit Blumen dekoriert, oder die angebotenen Waren sind appetitlich angerichtet, weil, das Auge isst ja mit. Franzosen sind beim Einkaufen recht anspruchsvoll und suchen sich gerne das für sie beste Produkt aus, oder lassen es sich zeigen. Ich habe schon erlebt, dass vor einem Fleischstand einer Frau verschiedene Stücke gezeigt wurden. Sie konnte sich nicht entscheiden, was hier in Deutschland schon ein k.o. Kriterium wäre. Das dauerte natürlich ein Weilchen, aber die Wartenden hatten Verständnis, denn ist man selbst an der Reihe, kann man das gleiche Privileg für sich in Anspruch nehmen.
Das geduldige Stehen in einer Reihe ist selbstverständlich. Werden kleine Körbe, oder Schalen angeboten, kann man sich auch schon vorher die Waren in diese hinein legen. Ist das nicht der Fall, wartet man bis man dran ist. Punkt. Es ist nicht unüblich, auch auf Märkten mit der Bankkarte zu bezahlen. auch kleinere Beträge. In Sachen Digitalisierung sind die Franzosen weiter als wir Deutschen.
Nach dem Einkauf geht man in ein Bistro, eine Bar oder den Salon de Thé und setzt sich auf die Terrasse. Die Mehrzahl nimmt dort einen Apéro oder Café. Wird dort auch Mittagessen angeboten schaut man, wo die Tische nicht eingedeckt sind und setzt sich dort auf ein Glas hin. Gedeckte Tische sind den Mahlzeiten vorbehalten.
Ich liebe dieses gesellige Zusammensein nach dem Einkauf. Es ist lebendig, laut, und voller Lebensfreude. Gegen Mittag leert es sich, die Marktstände werden abgebaut und jeder geht seiner Wege.
Üblicherweise ist Markttag einmal in der Woche. In den größeren Städten auch häufiger. Ein städtischer Markt weitet sein Angebot auf Kleidung, Schmuck, Kosmetikprodukte usw. aus. Mir sind die kleinen Märkte lieber, weil alles überschaubarer und gemütlicher ist. In der Hauptsaison, bis zum Rentrée Anfang September, gibt es auch ein Angebot an „Nachtmärkten“. In den Gemeinden und Ferienwohnungen liegen manchmal Flyer aus, wo und wann Märkte stattfinden. Der Nachtmarkt beginnt am frühen Abend. Einheimische und Touristen bewundern die angebotenen Waren und sammeln sich vor den Ständen, um das reichhaltige Angebot an Essen zu genießen. Tische und Bänke werden aufgebaut und jeder rückt ein bisschen zur Seite, die Stehenden noch dazwischen zu quetschen. Musik spielt auf und man kann Tanzeinlagen bestaunen und sich dargebotene Performances anschauen. Das gibt es ab September nicht mehr, weil die meisten Touristen abgefahren sind und die Regionen stiller und beschaulicher werden. Obwohl es recht wuselig auf den Märkten zugeht und die drangvolle Enge nicht jedermanns Ding ist, sollte man als Feriengast dieses Event wenigstens einmal mitgemacht haben. Für mich zählt es mit zu den besten Erinnerungen eines Urlaubs.
Ich/wir haben uns angewöhnt, Supermärkte in der Mittagszeit zu besuchen. Traditionellerweise essen Franzosen zwischen 12 Uhr und 14:30 Uhr. Die Supermärkte sind dann nicht mehr so voll und das Einkaufen ist entspannter. Kleinere Geschäfte schließen in der Regel um die Mittagszeit, wobei die Orte um diese Zeit ausgestorben wirken.
Nach dem Essen ist in Frankreich vor dem Essen. Ist die Mahlzeit beendet und sind die Tische abgeräumt, kommen die ersten Gäste schon wieder auf einen Apéro….





